Unser Rübenach, Donnerstag, 19. Juli 2018

Post von der Stadt: Büsche dürfen nicht stören

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Anne Lambertz‘ Garten ist naturnah und insektenfreundlich – Mehrmals musste sie Pflanzen schneiden, die auf den Gehweg ragten

Von RZ Redakteurin Stephanie Mersmann

Rübenach. Puristisch ist der Garten von Anne Lambertz nicht gerade. Blumen, Stauden und Büsche wachsen durcheinander, irgendetwas blüht eigentlich immer in dem wilden Paradies in Rübenach. Dazwischen stehen und hängen steinerne Figuren und Terrakottakübel, Futterhäuschen und Insektenhotels. Irgendwo, halb verborgen von Grün, plätschert Wasser. Und: Überall summt und flattert es.

„Ich will Tieren einen besseren Lebensraum bieten“, sagt Anne Lambertz, die seit 1981 mit ihrem Mann im früheren Haus der Oma in dem Stadtteil lebt. Für sie ist klar: „Wenn die Bienen aussterben, dann sterben wir auch aus.“ Und das war schon vor vielen Jahren ein Grund für sie, ihren 400 Quadratmeter großen Garten naturnah und insektenfreundlich zu gestalten.

In Anne Lambertz‘ Garten wachsen viele Blumen und Stauden, die Insekten lieben. Auch Futterhäuschen und Insektenhotels gibt es hier. Wenn allerdings Pflanzen zu sehr auf den Gehweg neben ihrem Grundstück ragen, wurde sie in der Vergangenheit schon aufgefordert, diese zurückzuschneiden. Dabei ist der Bürgersteig doch eigentlich ziemlich breit, wundert sich die Rübenacherin. Fotos: Mersmann

Nach und nach ist der komplette Rasen in ihrem Garten verschwunden. Stattdessen hat sie Stauden gepflanzt, die Insekten Nahrung bieten. Hier und da lässt sie auch mal Wildkräuter (andere sagen: Unkraut) stehen, Brennnesseln zum Beispiel. Neben ihrer Arbeit beim früheren Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung hat die heute 65-Jährige manchmal bis 1 Uhr in der Nacht gegärtnert, erzählt sie. Noch heute verbringt die Rentnerin im Schnitt zwei Stunden am Tag mit Gartenarbeit.

„Ich will Tieren einen besseren Lebensraum bieten. Wenn die Bienen aussterben, dann sterben wir auch aus.“ Anne Lambertz

Dass sie mit ihrer Leidenschaft einmal Probleme mit der Stadt bekommen sollte, hätte sie nicht gedacht. Denn auch die Verwaltung will auf ihren Grünflächen Lebensraum für Insekten schaffen, zum Beispiel werden vor allem Pflanzen ausgewählt, die wenig Pflege und damit kaum Eingriffe benötigen. In der Ratssitzung am 30. August findet eine Expertenanhörung zum Thema statt, Maßnahmen sollen entwickelt werden, um den Rückgang von Insekten in Koblenz zu stoppen.

Aber: Anne Lambertz hat in der Vergangenheit nicht viel von der Naturliebe der Stadt gespürt. Mehrmals schon haben sie oder Nachbarn Schreiben vom Kommunalen Servicebetrieb bekommen, dass sie ihre Blütensträucher, die manchmal ein Stück über den Zaun und über dem Bürgersteig hängen, zurückschneiden sollen.

„Wenn wir das innerhalb von 14 Tagen nicht tun, würde das Amt eine Firma beauftragen, die auf unsere Kosten alles zurückschneiden würde, stand da“, berichtet die Rübenacherin. Das ärgert sie: Kleinkariert sei das und irgendwie auch eine Drohung. Abgesehen davon ist der Bürgersteig neben ihrem Haus tatsächlich ziemlich breit, und ein Passant dürfte eigentlich keine Probleme haben, an überhängendem Grün vorbeizugehen.

Die Stadt verweist derweil auf das Landesstraßengesetz. Demnach „sind die Eigentümer und Besitzer von Grundstücken innerhalb der geschlossenen Ortslage verpflichtet, den von ihrem Grundstück auf öffentliche Straßen ragenden Bewuchs auf ihre Kosten zu beseitigen“. Der Kommunale Servicebetrieb wird entweder durch Beschwerden, aber auch im Rahmen der regelmäßigen Straßenkontrollen auf den Überwuchs aufmerksam. Ob dann Maßnahmen verlangt werden, hängt vor allem vom Grad der Behinderung des (Fußgänger-)Verkehrs ab. Die Stadt geht davon aus, dass das keine erheblichen Auswirkungen auf Insekten hat, wenn keine Nester oder Ähnliches zerstört werden.

Anne Lambertz fragt sich trotzdem: „Ist das vielleicht auch ein Beitrag zum ,Erhalt der Vielfalt‘?“ Sie jedenfalls gärtnert unverdrossen weiter: „Als nächstes kommen Wildblumensamen hinters Gartenhaus, für die Schmetterlinge.“

Rhein Zeitung – 06.07.2018

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