„BUND und ADFC fabulieren“
Unser Rübenach, Freitag, 17. August 2018

„BUND und ADFC fabulieren“

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Infrastruktur Zur Diskussion um eine Bahnstrecke zwischen Koblenz und Bassenheim meldet sich dieser Leser.

Von Zeit zu Zeit flammt immer wieder die Diskussion über eine etwaige Wiederbelebung der Bahnstrecke von Koblenz nach Bassenheim auf. Leider wird diese rein ideologisch und ohne jeden Realitätsbezug geführt. Das Ende dieser früher bis Mayen führenden Strecke war mit der Fertigstellung der parallel verlaufenden Autobahn 48 besiegelt: Erst wurde 1983 der Personenverkehr und dann sukzessive bis 2003 der Güterverkehr eingestellt. Zwar ist der Gleiskörper zwischen Koblenz-Lützel und Bassenheim noch weitgehend vorhanden. Dieser ist jedoch über weite Strecken völlig zugewuchert und nicht nutzbar. Mit dem Abschneiden von einigen Zweigen ist es da nicht getan. Nicht nur der Oberbau (Gleiskörper und Schotterbett), sondern auch der Unterbau der Strecke müssten vollkommen erneuert werden, das das in anderthalb Jahrzehnten entstandene Wurzelwerk die Festigkeit des Bahnkörpers und früher vorhandene Entwässerungseinrichtungen völlig zerstört hat und keinen sicheren Bahnbetrieb mehr zulässt. Signale und Sicherungseinrichtungen sind nicht mehr vorhanden, auch diverse Bahnübergänge müssten neu gebaut werden. Zudem wäre eine Brücke über die gerade im Bau befindliche Nordtangente in Koblenz-Metternich zu errichten, wo der Bahndamm gerade eben auf circa 100 Metern durchtrennt worden ist. In diesem Bereich wäre eine völlige Umplanung erforderlich. Letztendlich ist zu beachten, dass der nach einer etwaigen Reaktivierung der Strecke von den Zügen bis zum Koblenzer Hauptbahnhof mitzubenutzende Streckenabschnitt bereits jetzt völlig überlastet ist und keine zusätzlichen Fahrplantrassen ermöglicht. Auch hier wären aufwendige Um- und Neubaumaßnahmen erforderlich.

Dies alles steht völlig außer Verhältnis zum zu erwartenden Nutzen und Fahrgastpotenzial, das sich lediglich aus wenigen Tausend Einwohnern der Stadtteile Metternich und Rübenach sowie des Ortes Bassenheim rekrutieren könnte. Die Herrschaften von BUND und ADFC sollten sich deshalb besser für eine Verlängerung des Maifeld-Radweges auf der bestehenden Bahntrasse bis nach Metternich starkmachen, anstatt von einem völlig unrealistischen Schienenverkehr dort zu fabulieren. Der Maifeld-Radweg hat auch nach seiner bevorstehenden Verlängerung nach Bassenheim nach wie vor keine vernünftige Anbindung an die Radwege an Rhein und Mosel. Der Verweis auf bestehende Wirtschaftswege und verkehrsberuhigte Wohnstraßen geht fehl und lässt die erhebliche Steigung vor allem zwischen Rübenach und Bassenheim, die auf der Bahntrasse auch durch nichtsportliche Radfahrer bequem überwunden werden könnte, völlig außer Acht. Nicht jeder hat ein E-Bike oder beabsichtigt den Erwerb eines solchen, abgesehen davon, dass das Radfahren auf angeblich verkehrsberuhigten Wohnstraßen ein erhebliches Gefahrenpotenzial in sich birgt und auch auf schlecht unterhaltenen und verschmutzten Wirtschaftswegen oft alles andere als vergnüglich ist.

Zur Klarstellung: Der Unterzeichner ist seit Jahrzehnten begeisterter Anhänger des Verkehrsmittels Eisenbahn, nimmt aber für sich in Anspruch, darüber nicht den Blick für das Machbare und Sinnvolle verloren zu haben.

Karl-Hans Fischer, Koblenz

Rhein Zeitung – 18.07.2018

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4 Kommentare

  1. Johannes Fuck am

    Die einen nennen es fabulieren, die andern Verkehrswende
    – zu einem verantwortungsvollem Umgang mit unseren Resourcen
    – mehr Lebensqualität für die Anwohner der Hauptstraßen
    – Steigerung der Verkehrssicherheit
    – zur Reduktion von CO2, Stickoxyd, Lärm und Feinstaub
    Rübenach 5000 Einw., Metternich 10.271 Einw., ca. 6.400 Studenten, ca. 10.000 Arbeitnehmer entlang der Strecke. Es gibt Bahnstrecken die haben weniger Potential und werden mit Erfolg betrieben oder reaktiviert. Der Stadtrat möchte die Bahn-Strecke Koblenz-Bassenheim entwidmen. Wir brauchen die Verkehrswende. ÖPNV-Nutzung in Koblenz ist weit unterdurchschnittlich. Warum? Die Frage sollten Sie sich stellen. BUND und ADFC meinen: Eine Stadtbahn Koblenz-Bassenheim wäre ein Puzzelstein zu einer Verbesserung.

  2. Besser als der Verfasser dieses Leserbriefes kann man es nicht sagen.
    Nur ein Gedanke noch: In 35 Jahren hat sich weder ein Anbieter (eine Eisenbahngesellschaft) noch eine Nachfrage (trotz GVZ) gefunden. Derweil vergammelt die Strecke….wie lange soll das noch so weitergehen?

  3. juergen mueller am

    Alles gut und schön, Herr Fuck.
    Wie stehen Sie zu den Argumenten von Herrn Fischer?
    Eine Verkehrswende brauchen wir seit Jahrzehnten. Und warum die ÖPNV-Nutzung (nicht nur) Ihrer Meinung nach unterdurchschnittlich ist? Dazu gibt es einige Argumente, die aber weitestgehend bekannt sind und nicht immer wieder aufgewärmt werden müssen – denn, es tut sich … NIX.
    Woran liegt`s?
    Auch in der Hauptsache doch wohl daran, dass sich die STADT in den vergangenen Jahrzehnten mehr um ihr Image als touristischer Magnet, um ein vermehrtes Kulturangebot, eine angebliche Aufwertung der Innenstadt etc. gekümmert und Dinge, die einfach zu einer Vorwärtsentwicklung gehören, einfach ignoriert hat.
    Davon abgesehen, dass die STADT sich in ihrem Größenwahn in eine Schuldenfalle begeben hat, die sie auf Jahrzehnte hinaus im Griff haben wird.
    Arbeitsplatz- und Verkehrsdichte wurden in Kauf genommen und sogar gefördert, ohne Rücksicht auf damit verbundene negative Folgen.
    Dieses kontraproduktive Denken setzt sich weiter fort.
    Die Stadt ist stolz darauf, andere „Großstädte“ (die nicht aufgrund von zwangsweiser Eingemeindung dazu geworden sind wie KOBLENZ) in Sachen Arbeitsdichte mit steigender Tendenz „abgehängt“ zu haben und freut sich auf einen statistischen vorderen Platz.
    Ehrlich, wie krank ist das denn?
    Eine Stadtbahn unter Hinweis darauf, dass es Bahnstrecken mit weniger Potenzial und dennoch (angeblich) mit Erfolg betrieben werden?
    Gibt es – seit ebenfalls Jahrzehnten, ganz einfach, weil hier Prioritäten anders gesetzt und umgesetzt und nicht verschlafen wurden.
    Spätestens mit der Entstehung des GVZ (und dessen folglicher Erweiterung) hätte ein Umdenken erfolgen müssen – auch in Bezug auf eine Reaktivierung der alten Bahntrasse.
    An den von Ihnen angeführten Einwohnerzahlen hat sich im wesentlichen (bis auf die stetig ansteigende Anzahl der Studenten) so gut wie nichts geändert.
    Heute plaudert die Stadt pausenlos von einer Verbesserung der Radwegeinfrastruktur und einer Verbesserung der ÖPNV-Nutzung – JA, und sie plant wieder, weiter, Gutachten über Gutachten, fordert (nicht fördert), redet halt und muss sich bei alldem auf Landes- wie Bundeshilfe verlassen, weil der STADTSACK l e e r ist.
    Andere, auch meine Wenigkeit, stellen sich schon lange Fragen, die mittlerweile lange Bärte haben.
    Fakt ist, dass die STADT diejenige ist, die fabuliert, von einem verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen (nicht unseren) Resourcen, mehr Lebensqualität für die (z.b. RÜBENACH, METTERNICH) gebeutelte Bevölkerung, Reduktion von CO2,Stickoxide,Feinstaub etc..
    Was kommt in der Folge? Die Erweiterung des GVZ.
    Herr Fuck, stellen Sie sich einmal selbst die Frage, wie hoch die „voraussichtlichen“ Kosten für eine von Ihnen gewünschte Stadtbahn wären? (Ich kann Ihnen da behilflich sein).

    • Johannes Fuck am

      Sehr geehrter Herr Müller,
      zu Ihrer direkten Fragen: Wie stehen Sie zu den Argumenten von Herrn Fischer?
      Ich habe Herrn Fischer geantwortet. Es gibt ein Problem und es gibt ein Lösungsvorschlag. Wir kennen die Gegenargumente und überprüfen den Wunsch nach einem Bahntrassenradweg. Ergebnis: Eine Entwidmung ist nicht notwendig. Sehen aber eine bessere Alternative. Wertungsfrei. Vollkommen unidiologisch. Die „Herrschaften“ die Herr Fischer so etwas überheblich abkanzelt sind keine Gegner sondern versuchen verantwortungsvoll in die Diskusson einzugreifen. Die Herrschaften fühlen sich dem Allgemeinwohl verpflichtet. Die Entwidmung muss verhindert werden. Stadtratssitzung wurde vom August in den September verschoben.

      Kosten? Das Leben ist teuer, der Tot kostet das Leben. Das ist genauso blöd wie immer als erstes mit einem Kosten-Totschlagargument zu kommen. Wenn man vergleichbare Strecken googelt oder Fachleute/Sachverständige fragt kommt man auf 1 Mio-Euro/km = 9 Mio. Lützel-Bassenheim (verglb. Strecken: Boppard-Emmelshausen, Zweibrücken-Homburg, Quelle: Bahn-Bauing., Zeitung)
      Ein Bahnhaltepunkt kann ein Kiesweg mit Bahnsteigkante bis zu einem Busbahnhof sein.
      Da ich aktuelle Preise kenne liegen die Kosten bei 300,– Euro/qm bis hin zu 500,– Euro/qm (Bürgersteig Rübenacher Straße) 150.000 Euro ist da nicht grundsätzlich falsch. 4 Bahnhaltepunkte = 600.000 Euro Summe: 10 Mio Euro
      Bahngegner redet von 40 Mio. Euro. Ich will nicht behaupten, dass wäre Fake-News, wahrscheinlich hat man alle Kosten und Folgekosten der nächsten Jahre incl. Güterbahnhof GVZ zusammengerechnet. Unterhaltskosten für die Strecke Zweibrücken-Homburg wird für die nächsten 20 Jahre vom Land Rhld.Pfalz übernommen 30 Mio. Euro. Man bekommt auf jedemfall einen hohen Gegenwert.

      Was ist teurer: Straßenbau für Autos oder Bau von Fahrradwegen mit Schienen-Personennahverkehr? Da gibt es schon Beispiele in der Stadtplanung. Es ist allgemein bekannt, dass man gar nicht so viel Straßen bauen kann wie man für einen max. Verkehrsfluss benötigt. Weder aus Platzgründen noch aus Kostengründen. Es gibt sogar schon Städte die die Bausünden der 30er bis 70er Jahre wieder zurückbauen und gegensteuern. L.A. Kopenhagen und unzählige andere Städte. Was kostet die Nordtangente? 6 Mio Euro in der jetzigen abgespeckten Version. Ohne Verbindung zur Aachener Straße. Ohne Verbindung zur Eifelstraße. Ohne Fußgängerweg. Ohne Radwege. (Dadurch wird man keine andere Möglichkeit haben als mit dem Auto zu fahren.) Folgekosten: Parkplätze.

      Die Stadt Koblenz hat ein Problem. Es gibt Grenzwerte. Man hat Grenzwerte (Weltweite Verträge und Zusagen) festgelegt, es gibt Übergangszeiten (2030) und die werden sukzessive gesenkt, die muss man einhalten. Audi und Porsche hat z.Z. seine Produktion eingestellt, da man die jetzigen Bestimmungen nicht erfüllen kann. Die Grenzwerte haben ihre Berechtigung, sind für Koblenz und VW unveränderliche Größen, deshalb sollte man die Parameter verändern die man beeinflussen kann. ÖPNV – am Besten auf der Schiene.

      Schiene (Zug) oder Straße (Bus). Warum soll Schiene teurer sein? Warum haben viele Städte noch eine Straßenbahn? Warum baut L.A. wieder eine Straßenbahn? Warum baut Karlsruhe, Mainz und Wiesbaden wieder eine Straßenbahn? Grund: Schiene hat viele Vorteile.

      35 Jahre ….! Da irrt Herr Neitzel. Da habe ich andere Informationen – es gab Interessenten. Außerdem Bahn; Rheinland-Pfalz-Takt 2015 ist nicht vergleichbar mit 1982. Es wäre schön wenn die Bahngegner mal vorurteilsfrei Städtereisen vornehmen. Dann kann man hautnah erleben was andere Städte besser machen!.

      Bahntrassenradweg. Das ist schön, aber nicht wo man noch Verwendung für Gütertransport und Personentransport hat. Außerdem sind die Kosten nicht zu vernachlässigen. Fragen Sie mal in Ochtendung oder Mayen nach. Baukosten! Wegesicherung! Ich habe von einem Betrag gehört das kann ich noch gar nicht glauben.

      Herr Neitzel wohnt an einer Hauptstraße. Er ärgert sich über Dreck, Lärm und Gestank. 24/7.
      Sie, Herr Müller, erkenne die jetzige Entwicklung und das ist wirklich zum verzweifeln. Wie können wir Herr Neitzel helfen? Indem wir an die Verkehrswende permanent erinnern. Das darf keine Worthülse sein. Ein Bahntrassenradweg in einem Industriegebiet ist da nicht förderlich.

      Warum schreibe ich? Eine Entwidmung ist jetzt still und heimlich nicht mehr möglich. Das Problem ist öffentlich. Ich hoffe nach wie vor auf Unterstützung. Wir brauchen Information:
      Welche Vorteile versprechen Sie sich als Unternehmen, Privatperson, Vermieter, Investor von der Strecke Koblenz-Bassenheim? Antwort an: jf@f-druck.de.

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