|
|
Die Rübenacher
Mundart hat einen sehr eigenartigen Klang. Sie unterscheidet sich gerade
zu himmelweit von den benachbarten Orten wie Güls, Koblenz, Mülheim oder
gar Bassenheim, bis auf das Eifler und Maifelder „woa“ vordringt.
Allgemein könnte man von einem schwerfälligen dahinfließenden,
behäbigen, dunkelgefärbten, volltönenden, gewissermaßen unter der Zunge
hervorgeholten „Slang“ sprechen; so jedenfalls scheint mir (als altem
Rübenacher) die Aussprache der alteingesessenen Rübenacher in den Ohren
zu klingen. Es ist urtümliche, kraftvolle Sprache, die auch ein wenig
über den „Volkscharakter“ der Sprechenden verrät.
Keineswegs darf man
in der Mundart ein „vererbtes, durch Rohheit entstelltes Hochdeutsch“
sehen, sondern – umgekehrt – ureigenste Volkssprache, das immer wieder
sich erneuernde Becken, aus dem Schriftsprache erst erwächst. Man sollte
die Mundart nicht verleugnen, sondern pflegen!
Die Unterschiede
und Abweichungen dieses, dem Mittelfränkischen zugehörigen,
moselfränkischen Dialektes zu registrieren, zu beschreiben, zu
erforschen und zu deuten müsste eine besonders reizvolle und lohnende
Aufgabe sein.
Dabei stieße man
auf Worte, die nur der Rübenacher Dialekt kennt oder deren eigenartige
Aussprache zumindest sofort der Rübenacher verrät, etwa; Daoobs (für
armseliges Häuschen, wahrscheinlich von Taubenhaus), zerrje (zanken),
jeröbbelt (gewittert), Saoobeest (Schimpfwort), rederääre (hingeraten),
verzottele (verlieren, verlegen), Weck (= Bremse am Pferdewagen),
Drähdrooht (linkischer Nörgler), ittschelich (flaues Gefühl im Magen,
komisch, empfindlich, auch: erbärmlich zu Mute), Dööhjatt
(zurückhaltender, etwas hinterlistiger Mensch), schouwe (= eine
besondere Art flotten, zerfahrenen Gehens), Angelbäätz (Engerling),
Kewazz (Maikäfer), fuggich (ordentlich, passend, wohlgestaltet, auch:
schön gewachsen), Fugg haben (guten Trieb haben),Anmöhra (?; man sagt,
er mache Stimmen wie ein A.), frääselich (Allerweltswort: empfindsam,
aufregend, grell, furchterregend, außergewöhnlich, aufgeregt tuend bei
plötzlichem Schrecken, auch: schlauchig),
Fraisdergritt (=verwöhntes Kind, im Mittelrhein. Wörterbuch als nur in
Rübenach gebräuchlich angegeben), Krootijel (Stänkerer und Besserwisser
von kleinem Wuchs), konderwiddich (schlau, gewitzt), Drigges (fauler,
doch fiffiger Kerl), Morbele (Heidelbeere), Erbele (Erdbeeren), maulmooß
(haargenau, mundgerecht), jädlich (=passend klein, z. B. bei
Kartoffeln), kriddelich (kleinlich, empfindsam, mäkelnd), Hämmermäusje
(Grille, Zirpe), Doges (Gesäß), Schurp (Kellerfenster), stäuipe
(stürzen), Dörrjes (armseliger Tropf, der nicht weiß was er will), luus
(extragescheit, auf seinen Vorteil bedacht), Ohles (Teil über dem
Scheunenkeller), Humaätzel ( Ameise), Bääges (hässlicher Mensch),
hooreulig (ungepflegt), Begges (Ziege), Rogeler (kleines Bäuerchen) u.
v. a.
Siehe auch unter
Rüwwenacher Platt
|