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Wie kann man einem wenig poetisch und
romantisch veranlagten Menschen aus der Welt der kommerziell
ausgerichteten Gegenwart klarmachen, dass hier eine Lobeshymne gesungen
werden soll auf einen Bach, ein kleines Rinnsal also, das an heißen
Sommertagen möglicherweise für die in der Nähe wohnenden Anlieger nicht
immer Freude brachte, vielmehr, wenn der Schlamm zu riechen begann, in
gewissen Grenzen vielleicht auch eine Brutstätte für Fliegen, Ratten und
ähnliches Ungeziefer war. Das wird nicht leicht sein!
Der Bröckerbach gehört
zum Ortsbild von Rübenach seit eh und je. Schon häufig gab es Pläne, ihn
im Zuge von Kanalisationsarbeiten verschwinden zu lassen und
unterirdisch aus der Gemarkung abzuleiten. In machen Ortsteilen wurde er
verrohrt – beispielsweise in der „Bachstraße“ (heutige Grabenstraße) –
und so dem Blick entzogen.
„Die Bach entspringt
eine halb Stund ober Rübenach und verlauft sich wiederum eine halb Stund
unter dem orth nemlich in den Wiesen“, so beschreibt eine ältere Quelle
diesen kleinen Wasserlauf. In seinen Hauptadern aus der Gemarkung „im
Sentnicher Weg“ kommend, weitere, teils unterirdische Quellen aus dem
„Otter“, aus dem Dorf selbst und dem „Wäschebuur“ (Bereich Gülser Weg)
hinzugewinnend, durchläuft der Rübenacher Bach den Ort genau in der
Mitte, vom ehemaligen Sportplatz aus streckenweise gefasst, dann in ein
Wiesengelände einmündend in großen Kehren bis an die Hauptstraße (heute
Aachener Straße). Von dort bietet er ein völlig anderes Bild;
hochgelegen fließt er in weiten Määndern nach Bubenheim hin.
Auf seiner ganzen
Länge trieb der Bach – wasserreich selbst im heißesten Sommer – früher
verschiedene Mühlen, von denen die meisten noch stehen. Alte Quellen
nennen immer acht, in neuester Zeit ließt man von zehn; das ist jedoch
irrig und kommt von Doppelzählungen her, da einige Mühlen häufig den
Besitzer wechselten und damit auch ihre Namen. In der schon genannten
Urkunde von 1784 heißt es: „Ungeachtet die Bach nur eine Stund wegs
weith entspringt und wiederum versenkt, so treibt sie dennoch acht
Mühlen: nämlich die beiden Gappenachs Mühlen, die Mühlenpeters-, die
Dötschen-, die Doppel-, die Hahns-, Zilzen- und Kiliansmühle“. Heute
kennt man nur noch einige unter diesem Namen. Eine Lebensader war also
hier der Bach, indem er mit seinen Kräften die mahlenden Mühlsteine
trieb, die der Dorfbevölkerung, aber auch teilweise für die Bewohner der
Stadt Koblenz, das Mehl bereiteten.
Den Namen „Bröckerbach“
trägt die kleine Wasserader eigendlich nur im Bereich der Brücke. Am
Ortsbeginn schnitten sich Bach und Hauptstraße (Aachener Straße) nach
Koblenz. Dort war immer ein Brückenbauwerk vonnöten. Deshalb hieß jenes
Gebiet zu allen Zeiten der Bröckerbach.

Der Brückerbach im Bereich Aachener Straße
Wie vielen alten
Rübenachern mag dieser Punkt eine Quelle schöner Erinnerungen sein!
Immer mit hohen Bäumen bestanden, galt er als „heimelig-unheimlicher“
Ort. In manchen Sagen und Erzählungen taucht er auf.
Noch vor wenigen
Jahrzehnten war der Begriff „Bröckrebach“ für die kleinen Hosenmatze ein
Zauberwort. Der Name schon ließ ehedem, als Ziel für einen
„Sonntagmorgen-Spaziergang“ genannt, ihre Herzen höher schlagen. Das war ein
wirklicher Ausflug! Ein weiter Gang! Besonders wenn er auf Umwegen über
die Kruppstraße und den Strauß-Pfad erreicht wurde. Da war Leben! Da
traf man andere Kinder. Da konnte man massenweise saubere Steine aus dem
Wasser fischen und an anderer Stelle wieder hineinplatschen. Schiffchen
konnte man auf der einen Seite der Unterführung los schwimmen lassen, um
hinüber zu laufen und zu warten, bis sie aus der Dunkelheit wieder zu
Vorschein kamen.
Schön war auch das
umliegende Wassergelände, ein unberührtes und damals wenig betretenes
Gebiet. Die Jungen suchten sich in den sumpfigen Tümpeln die Frösche und
Salamander für ihr Hausaquarium; die Mädchen fanden Blumen zu jeder
Jahreszeit.
Die Weiden am
Wasserlauf lieferten den Kindern – nun größer geworden – immer frische
Schösslinge zum Schnitzen von Pfeifen. Schließlich – wie der Lauf der Welt es will, dass Jungen und Mädchen zusammenfinden –, war
der „Bröckerbach“ ein schnell über die Lippen gehauchtes Wort, wenn ein
Pärchen nach einem Treffpunkt für ein Rendezvous suchte.
Aber auch Sorgen
bereitete dieser Bach den Rübenachern. Bei starken Regenfällen trat er
über die Ufer. Beim großen Wolkenbruch am Pfingstmontag dem 16. Mai
1932, wurde er gar zu einem Strom von unübersehbarer Breite, verwüstete
weite Landstriche und bildete am Bröckerbach einen See vom Bahndamm bis
zum Dorf. Kälber und Schweine aus den Ställen hatte er ertränkt und mit
sich fortgerissen, Möbel aus Wohnungen und Ackergerät vom Hof. Selbst
Menschen brachte er in Lebensgefahr.
So hat der Bach das
Schicksal des Dorfes stets geteilt, die schönen wie die bösen Stunden.
Er hat die Ansicht und das allgemein Atmosphärische von Rübenach
westlich mitbestimmt.
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