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Als im 8. Jahrtausend in den Gebieten um das östliche
Mittelmeer ein allmählicher Wandel von der Wirtschaftsweise des Jagens
und Sammelns zum Anbau und der Viehhaltung stattfand, dauerte es noch
zwei Jahrtausende, bis sich diese neue Lebensform dort ganz durchsetzte
und weitere zweitausend Jahre, bis diese Zivilisationswelle auch ganz
Mitteleuropa erfasst hatte. Neben den sozialen und religiösen
Veränderungen waren die äußeren Merkmale: Ackerbau (Getreide), Viehzucht
(Rind, Schwein, Schaf, Ziege), Hausbau, Keramik und Gewerbe. Nach den
besonderen Verzierungen auf dieser Keramik nennt man diese frühzeitliche
Bauernkultur „Bandkeramik“. Ihre Siedlungen erstrecken sich vom
Donauraum bis nach den Niederlanden. Besonders die fruchtbaren Lößböden
wurden aufgesucht und so ist es verständlich, dass sich ihre Siedlungen
auch in Rübenach finden.
Die ersten Funde wurden nach der Jahrhundertwende (1900) am Sentenicher
Weg gemacht. Leider ist die genaue Fundstelle unbekannt. Später wurden
mehrere andere Siedlungsstellen entdeckt, so am „Mittelpfad“, am
Sentnicher Weg (Eberts Born) und vor allem oberhalb des Ortes, direkt
hinter der heutigen Autobahn A 48.
Diese Fundstelle ist eine der reichsten und bedeutendsten am Mittelrhein
geworden. Leider wurden durch Autobahnbau, Tonabbau, landwirtschaftliche
Maßnahmen usw. ein Teil der Befunde unter der Ackeroberfläche zerstört,
so dass sich eine Ausgrabung nicht mehr so erfolgreich gestalten kann,
doch aus anderen Stationen wissen wir recht gut über die Siedlungen
dieser Epoche Bescheid.

Rübenacher Fundplatz Kruppstraße - 1, 5
Feuersteinklingen; 2,3,8,9 verzierte Gefäße der brandkeramischen Kultur;
4 Knochenpfriem; 6 Dechsel; 7 Pfeilspitze aus Feuerstein.
So
zeichnen sich alle, in früheren Zeiten in der Erde ausgegrabenen
Vertiefungen als Verfärbungen im Boden ab. Diese liefern bei
sorgfältigen Ausgrabungen oft die wissenschaftlich wichtigsten
Ergebnisse. So kann man an den „Pfostenlöschern“ eines Baues den Haustyp
der früheren Jungsteinzeit ermitteln. Die Bandkeramiker errichteten
erstaunlich große Wohnhäuser von 5 bis 8 m Breite und einer Länge von 15
bis 50 m. Die Häuser waren durch Zwischenwände aufgeteilt und die
Außenwände waren mit Lehm verputzt. Weil dieser Lehmverputz oft erneuert
werden musste, befinden sich außen, an den Längsseiten der Häuser,
unregelmäßige Gruben, die der Bodenentnahme dienten. Da diese Gruben
offen blieben und Abfälle aller Art (Zierknochen, Keramik, zerbrochenes
Gerät usw.) aufnahmen, sind sie für die Erkenntnisse der Wissenschaft
von ganz besonderer Bedeutung. Die meisten Funde auf der Ackeroberfläche
stammen aus solchen Gruben, welche vom Pflug angerissen wurden.

Modell bandkeramischer Häuser
Der
Rübenacher Fundplatz wird durch eine gut gebrannte Keramik
gekennzeichnet, deren Formen halbkugelig bis birnenförmige Töpfe aller
Größen waren. Zur Befestigung über dem Herd sind sie mit Knubben und
Ösen besetzt. Kennzeichnende Verzierungen sind hier Bänder in Winkel-
und Bogenform, die mit kleinen Einstichen ausgefüllt sind. Diese Stiche
wurden häufig mit einem kamm- oder gabelartigen Instrument gemacht, so
dass es ganze Stichreihen-bänder gibt. (Glasuren finden sich auf
urgeschichtlicher Keramik nie. Diese beginnen erst im hohen Mittelalter
ab dem 12. Jahrhundert n. Chr.)

Rübenacher Fundplatz Kruppstraße -
Bandkeramik: großer Kumpf der älteren Epoche, mittelgroßer und kleiner
Kumpf aus der jüngeren Epoche. (Privatsammlung Erich Schwamm)
Die
Geräte dieser Menschen bestanden aus Stein und Knochen. Charakteristisch
ist das geschliffene Beil aus Basalt oder ähnlichem Gestein. Es hat
einen D-förmigen Querschnitt und war wohl meist quer, dechselartig
geschärft. Derartige Gräte wurden bei vielen Völkern noch vor 100 Jahren
(Stand
1975)
mit
Geschick benutzt.
Viele
Werkzeuge wurden mit Feuersteinschneiden versehen. Die Bruchstücke
solcher Messer, Bohrer und Pfeilspitzen finden sich recht häufig. Aus
Knochen wurden Schaber, Pfrieme, Glätter und andere Geräte gemacht, die
im Haushalt nützlich waren.
Alle
diese Dinge, die uns aus der materiellen Kultur überliefert wurden,
vermögen auch ein Licht auf die Lebensweise der Bandkeramiker zu
werfen. Alle Werkzeuge, der Hausrat und die Behausungen wurden selbst
hergestellt. Die Familien, Hau und Dorfgemeinschaften waren dadurch
unabhängig und selbstständig. Handwerker im heutigen Sinne gab es nicht,
wenn auch vielleicht einzelne Leute bevorzugt, nicht für den eigenen
Gebrauch, sondern auch für Nachbarn, bestimmte Dinge angefertigt haben
mögen. Eine gesellschaftliche Machtstellung war dadurch nicht zu
erringen. Da aber Feldbestellung, Hausbau und Wildschadenverhütung auf
den Feldern besser organisiert funktionierten, kann man mit einer
bestimmten Lenkung und Führung innerhalb eines damaligen Großhauses oder
Dorf rechnen.
Pfeilspitzen und Wildtierknochen zeigen, dass die Jagd neben der
Landwirtschaft eine Rolle spielte. Die Frauen, die durch Schwangerschaft
und Kinder mehr an das Haus und dessen Umgebung gebunden waren, können
wir uns bei der Gefäßherstellung, beim Weben und der Zubereitung der
Nahrung vorstellen, hingegen wird die Jagd mehr von den Männern ausgeübt
worden sein. So zeichnet sich hier deutlich eine gewisse Geschlechts
bedingte Differenzierung der Arbeit und damit der Ordnung innerhalb der
Gemeinschaft ab. (Das wird aber auch bei den altsteinzeitlichen
Jägergruppen schon ähnlich gewesen sein)
Von
den religiösen Vorstellungen wissen wir wenig. Die wiederholt gefundenen
weiblichen Statuetten oder Idole aus gebranntem Ton sind ein gewisser
Hinweis auf den Kult einer weiblichen Mutter- und
Fruchtbarkeitsgottheit.
Einen
anderen Einblick in die gesellschaftlichen und religiösen Vorstellungen
vermitteln die Friedhöfe und Bestattungen aus jener Zeit. Wir kennen
solche Plätze mit fast hundert Beisetzungen. Die Toten sind
gelegentlich verbrannt worden, meistens aber auf der Seite liegend, mit
angewinkelten Beinen beigesetzt. Oft finden sich in den Gräbern
Beigeben: Gefäße, Werkzeuge, Schmuck und Waffen. Besonders prächtig
ausgestatte Gräber gibt es nicht. Ein uns heute beigabenlos
erscheinendes Grab kann damals natürlich mit Decken, Körben, Holz- und
Lederwaren versehen worden sein, doch diese Dinge sind vergangen und
verbieten es uns, sichere Schlüsse zu ziehen.

Bestattung der brandkeramischen
Grabungsfotografie
Kultur
Aus
dem Mittelrheingebiet sind kaum steinzeitliche Bestattungen bekannt.
Eine um so größere Überraschung war es, als zur Jahreswende 1973/74 eine
Beisetzung innerhalb der Siedlung an der Kruppstraße, hinter der
Autobahn A48 entdeckt wurde. Nach tieferen Pflügen lagen menschliche
Zähne auf der Ackeroberfläche. Dadurch aufmerksam geworden, konnte eine
ovale Grube mit einem seitlich liegenden Skelett aufgedeckt werden. Es
war trotz der Zerstörung von der Oberfläche her erstaunlich gut
erhalten. Diese Bestattung wurde im ganzen gebogen und befindet sich
jetzt
(Stand
1975)
und Präparierung im Staatlichen Amt für Vor- und Frühgeschichte in
Koblenz.
Die
jüngere Steinzeit dauerte im Rheinland etwa 2500 Jahre. In dieser Zeit
änderte sich manches in der Siedlungsform, im Hausbau in den
Gerätschaften und Bestattungssitten.
Nach
der „Bandkeramik“ kam die „Rössener Kultur“, die „Michels-berger Kultur“
und die sogenannte „Rheinische Becherkultur“. Aus diesen Zeiten gibt es
in der Rübenacher Gemarkung einige Einzelfunde, z. B. Pfeilspitzen
besonderer Machart (vom Mittelpfad und Auf der Höll). Eine Siedlung
konnte bisher nicht entdeckt werden. |