Die alte Kirche 1220

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von Udo Liessem

Die 1866 leider abgerissene Pfarrkirche war eine dreischiffige Basilika. Der platt schließende Chor hatte die Breite des Mittelschiffs, dagegen war der dreifach abgetrennte Westturm etwas schmäler als dasselbe. In seinem unteren Drittel zeigte er sich unverputzt und mit Steinplatten (?) verblendet. Der Turm hatte nur einen schießschachtartigen Lichtschlitz im Westen und vier Schallarkarden (in Form von Biforien mit je zwei hintereinander gestellten Säulen), die vom Rundbögen überfangen wurden. Die Arkaden standen auf einem umlaufenden Gutsgesims. Die Ecken des Turmes waren verquardert, die Mauerflächen verputzt. Der 1863 wiedergegebene Helm war spätgotisch. Der Turm – zumindest im Unterteil – ist in aller Wahrscheinlichkeit der älteste Teil des gesamten Kirchenbaus gewesen und dürfte noch dem 12. Jahrhundert angehören (vergl. Niederlahnstein, Güls, Moselweiß).

Die Kirche selbst wird um 1220 erbaut worden sein. Das Mittelschiff, das nicht ganz die doppelte Breite der Seitenschiffe aufwies, war ursprünglich flach gedeckt, wahrscheinlich auch die Nebenschiffe. Der spitzbogige Triumphbogen zeigte eingelegte Halbsäulen mit Scheitelwulst; die Säulen verfügen über (nicht ganz reine) attische Basen mit einfachen Eckknollen und über Laubblattkapitelle. Die Kämpferplatten wiesen Karniesprofil auf. Im Äußeren war die Kirche durch Lisenen und sie verbindende Rundbögen geschmückt. Die rundbogigen Obergadenfenster sind, wie auch alle anderen,  später vergrößert und verändert worden. Der Chor hatte eine tieferliegende Firsthöhe als das Langhaus, so dass ein kleines Fenster über Chordach den Dachstuhl des Hauptschiffes beleuchten konnte.

Die Ostgiebel waren mit aufsteigendem Bogenfries, Rund- und Vierpassfensterchen geschmückt. Erzbischof Johann von Baden (1456 – 1503) erteilte den Rübenachern die Erlaubnis, den Kirchenchor zu erweitern; damals wurde die östliche Kapelle gebaut (= Sakristei), die ein anspruchvolles spätgotisches Kreuzrippen-Gewölbe trug. In dieser Zeit datierte auch die hölzerne spitze Tonne, die das Mittelschiff überspannte und als Zierelement hölzerne Rippen trug. 1680 schlug der Freiherr von Eltz-Rübenach vor, die Kirche so zu vergrößern, dass auf der (nördlichen) Seite das Seitenschiff mit der Sakristei (= östliche Kapelle) vereinigt und das andere (südliche) Seitenschiff ebenfalls verlängert werde.

Dem Vorschlag wurde Folge geleistet und die Nebenschiffe wurden, in angegebener Art, bis auf die Höhe der Chorostwand vorgezogen. Hierbei gestaltete man im Innern die ehemaligen wuchtigen Wandpfeiler  zu dünnen Achtecksäulen um; „über welchen sich weite Auskragungen befinden, denen man füglich den Namen „Kapitäl“ nicht geben kann“, die alten Seitenwände des Chores wurden durchbrochen und zu Arkaden umgestaltet, was man recht plump ausführte. Durch die letztgenannte Baumaßnahme war die Sakristei (= östliche Kapelle) in den Kirchenraum miteinbezogen worden und der Bau einer neuen wurde nötig. Diese wurde im Scheitel des Chores angefügt, ein kleiner, niedriger kreuzrippengewölbter (?) Raum. Zwei hochrechteckige Türen in der Südseite und ein von zwei Säulen getragenes Dach über dem Missionskreuz von 1746 deuten auf Veränderungen des 18. Jahrhunderts hin.

alte_kirche

Wie oben gesagt, ist der Westturm älter als der restliche Baukörper. Möglicherweise war aber der Vorgängerbau ein kleiner längsrechteckiger Saal in Breite eben dieses Turmes (vergl. St. Johannis in Niederlahnstein). Darauf deutet auch eine Beobachtung des Baurates Junker, der das Mittelschiff älter einschätze als die Seitenschiffe. Es könnte sich dabei gut um den Kirchenbau von 1062 handeln, den Gappenach – ohne Quellenangabe – aufführte.
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