Rheinmarathon
Wer dachte, er könne sich nun entspannt bei besserem Wetter im Rheinland zurücklehnen, wurde in diesem Jahr beim Rheinmarathon von Leverkusen nach Düsseldorf über 42,2 km eines Besseren belehrt. Oh, der Spaß hatte gerade erst begonnen. Den Teams wurde es wetterbedingt nicht einfach gemacht, überhaupt anzukommen. Kurz nach Beginn der ohnehin durch eine Unwetterwarnung gefährdeten Regatta zog eine schwere Unwetterkaltfront mit heftigem Regen und starken Windböen mit bis zu 80 km/h über das Teilnehmerfeld – zeitweise war nur noch eine Rheinseite zu sehen – und verlangte von unserem unmittelbar zuvor gestarteten Ruderkameraden Helmut Müller im Altherrenvierer des Post-Sportverein Koblenz (PSVK) alles ab. Für knapp zwanzig Minuten galt es, alles an Resilienz aufzubringen, durchzuhalten und über Wasser zu bleiben. Keine einfache Aufgabe, wie auch ein Frauenboot auf Höhe des Starts erfahren musste. Erfasst von einer Böe kenterte das Boot während der Wende mitsamt Mannschaft. Sofort zahlten sich die zahlreich organisierten Rettungskräfte aus, die schlimmeres verhindern und alle wohlbehalten ans Ufer bringen konnten. Von 177 gemeldeten Booten haben nur 138 das Ziel erreicht.
Aufgrund der Abstinenz jeglichen Bioprens bis auf die innersten Knochen durchgefroren und am gesamten Körper zitternd, genoss Helmut Müller zusammen mit seinen Koblenzer Kameraden Heiko Löwenstein, Hans Jürgen Schwan und Hartmut Kosche diese fragwürdigen Bedingungen deutlich weniger lang. In gerade mal 2:22:38 h ackerte man sich durch die anfängliche Kaltwetterfront und sicherte sich zähneklappernd, aber souverän mit 4 min Vorsprung Platz 1 der mit 8 Booten gut besetzten Klasse mit einem Mindestdurchschnittsalter (MDA) von 65 Jahren.
Danach ruhte zunächst einmal der Regattabetrieb für über eine Stunde, da sich die Rennleitung nach dem Zwischenfall durch das wetterbedingte Kentern eines Bootes erstmal sortieren musste und kritisch hinterfragte, ob die Regatta überhaupt weiter ausgetragen werden konnte. Schlussendlich siegte der rheinländische Wille, sich den Spaß nicht nehmen zu lassen – es ging bei zunächst erheblich besseren Wetterbedingungen weiter!
Auch in diesem Jahr schloss die M² das Rennen mit der Startnummer 175 ab. Auch ohne pointierte Wetterfront hatte Petrus für Markus Müller mit Michi Ehrle, Stefan Verhoeven und Tim Czemper mit Steuerfrau Elina Unruh kontinuierlichen scharfen Westwind im Angebot. Waren es nach Durchzug der Sturmfront eher lästige, aber beherrschbare 30 bis 50 km/h Süd-West-Wind, änderte sich das für die letzten Rennen nochmal drastisch. 84 km/h aus Westen ließ der deutsche Wetterdienst später aus dem Protokoll verlauten. Ein spaßbefreites Szenario, welches das Frauenboot exzellent gemeistert hatte, wurde bei der RGM in der M² leider stark wettbewerbsverzerrend. Einer der beiden stärksten Kontrahenten, die Cannstatter Sieger vom Genfer See, starteten von einem Kölner Bootshaus, statt aus Stammheim. Da diese folglich zur Regelstartzeit über die Startlinie fuhren, die Regatta aber durch den u. a. zwischenzeitlichen Stopp über 1,5 h verzögert war, durfte die M² erst ~2 h später ins Rennen gehen. Diese Änderung von vertretbaren zu katastrophalen Ruderbedingungen konnte das Team nicht kompensieren. Ob es gereicht hätte, wenn Tim nicht knackig erkältet gewesen wäre, wird den Spekulanten überlassen. Am Ende trennte die M² mit 2:14:40 h nicht mal eine Minute vom ersten Platz der Klasse und damit vom Gesamtsieg. Wäre das nicht schon Pech genug nach dem Kampfritt durch 3/4 m hohe Schaumkronen über die ganze Flussbreite bei Neuss, die selbst die M² an den Rand des Erträglichen belastete, wog der Verlust des zweiten Platzes noch schwerer. Mit gerade mal 7 s Vorsprung schnappte ein Boot mit hinreichend großen Namen der Neuwieder RGM das Silber weg. Olympiagoldträger Tim Grohman, mehrfacher Weltrekordgewinner Thorsten Jonischkeit und die zwei ehemaligen Deutschlandkaderathleten Max Fränkel und Samuel Tieben rieben sich die Hände in Anbetracht des Ausgangs. Somit war man zwar mit klarem Abstand zum vierten drittschnellsten Boot von 138 Booten, aber leider auch nur dritter der eigenen Klasse.
Fortsetzung folgt …
Markus und Helmut Müller Rübenach – 03.06.2026
Foto privat








