„Alles Unliebsame nach Rübenach“

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Leserbrief von Robert Zerwas, Koblenz-Rübenach

Nachdem sich so ziemlich alle Ortsteile von Koblenz über sieben Jahre hinweg mit der Formel „Tierheim ja – nur nicht hier“ erfolgreich gegen den Neubau gewehrt haben, wird es nun nach Rübenach kommen. Und zwar inmitten des Industriegebiets, das zwar nach dem Plan der Stadt Koblenz schon seit Jahren gewinnbringend erschlossen und bebaut sein sollte, aber mangels Investoren teilweise noch durch Rübenacher Landwirte genutzt wird (Gott sei Dank, möchte man sagen). Und wieder wird landwirtschaftliche Nutzfläche unwiederbringlich vernichtet.

„Was interessiert mich landwirtschaftliche Nutzfläche“, könnte sich der morgendliche Leser fragen. Nun, beim Biss in sein Frühstücksbrot sollte er diese Frage nicht zu leichtfertig abtun. Denn die weltweite Begrenztheit landwirtschaftlicher Nutzfläche (in einigen Studien wird sogar von Rückgang gesprochen), die wachsende Weltbevölkerung und der immer weiter steigende Preis für Weizen, lassen auch für den Laien einen Zusammenhang erkennen. Bereits vor 20 Jahren hat die Rübenacher Bürgerinitiative diese Entwicklung vorausgesagt, und noch immer ist der Wert von Ackerland nicht in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen. Dabei gehört der Boden in der Rübenacher Gemarkung zu den ertragreichsten Böden überhaupt – und zwar nicht nur im regionalen Vergleich.

Aber solange man alle unliebsamen Projekte nach Rübenach verlagern kann, scheint die Ressource „Boden, auf dem alles wächst, was man essen kann“ nicht weiter beachtenswert. Außerdem wird der Brotpreis zu den Lebzeiten der Entscheidungsträger so erschwinglich bleiben, dass man sich keine Sorgen zu machen braucht. Es geht ja schließlich um ein „Herz für Tiere“ – wer kann da schon was gegen haben?

„Jeder, der Argumente gegen das Tierheim in Rübenach vorbringt, ist kein Tierfreund“: Diejenigen, die in der Vergangenheit gegen ein Tierheim vor der eigenen Haustür waren, werden diesen Satz am lautesten schreien – Wetten dass ..?

Rhein-Zeitung 07.10.2011

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