Befreiungen von den Auflagen der Bebauungspläne des GVZ

1
426

Grünen, SPD und der Wählergruppe Schupp lehnten ab – BI wünscht sich zur Austrocknung von Böden „Wassermanagement“

Mit großem Erstaunen verfolgen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lebenswertes Rübenach e.V.“ die Veränderungen ihres Lebensraumes. Einer der beiden Bäche, die seit Jahrhunderten durch Rübenach fließen und einst acht Mühlen antrieben, ist inzwischen trocken gefallen und der andere führt auch nicht mehr viel Wasser.

Die BI sieht den Grund dafür in der Versiegelung der Äcker zu Gunsten von Gewerbeansiedlungen. Deshalb verfolgen die Bürger interessiert die Sitzungen des allgemeinen Bau- und Liegenschaftsausschusses, wo am 17. November  wieder eine Befreiung von den folgenden Auflagen des Bebauungsplanes (BBPL) 257 c anstand:

Keine der hier beantragten Befreiungen ist neu, sie sind alle auch schon bei früheren Bauvorhaben gewährt worden. Neu ist lediglich, dass es hier gleich vier Befreiungen auf einmal sind.

Versiegelung der Landschaft westlich von Rübenach

Man mag sich darüber wundern dass die Baugrenzen überschritten wurden, aber das ist im GVZ fast die Regel: Sehr oft sind die Gebäude rein „zufällig“  etwas länger, breiter und gerne auch etwas höher (aber nie kleiner!) geraten. Das ist im Zeitalter digitaler Technik eigentlich nicht nachzuvollziehen. Der Bauherr bietet in solchen Fällen dann gerne als Kompensation an, drei Bäume zu pflanzen und das war es dann. Das alleine ist zwar merkwürdig aber noch nicht gefährlich. Es ist nur ein Hinweis auf die Nachlässigkeit die bei den Bauten im GVZ zu herrschen scheint. „Es ist ja kein Wohngebiet, warum dann so pingelig“ sagte der Baudezernent sinngemäß in seinem Versuch die Abstimmungsniederlage zu verhindern.

Ausgetrockneter Anderbach

Gefährlicher ist allerdings, dass das Regenwasser nicht mehr auf dem Grundstück versickern kann. Das besagt ein entsprechendes Gutachten, das aber nicht veröffentlicht wurde. Es ist auch nicht bekannt seit wann dieses Gutachten existiert und ob es bei der Baugenehmigung schon hätte berücksichtigt werden können. Fragen, die bei der letzten Sitzung endlich einmal gestellt wurden. Selbst wenn das Gutachten richtig sein sollte, gibt es noch andere Möglichkeiten als das Regenwasser per Rohr direkt in die Mosel zu leiten.

Unmittelbar neben dem GVZ gibt es Regenrückhaltebecken die auf ein „Jahrhunderthochwasser“ ausgelegt sind aber völlig trocken sind. Gerade bei den letzten trockenen Sommern wäre es hilfreich gewesen dort das wenige Nass zu speichern um das Austrocknen der Böden zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Nach Ansicht der Bürgerinitiative wäre ein „Wassermanagement“ möglich und hilfreich.

Die Bi hofft, dass solche Überlegungen jetzt angestellt werden und das „Durchwinken“ der Befreiungen ein Ende findet. Das scheint nun auch die Meinung der Mehrheit der Ausschussmitglieder zu sein. Die o.a. Befreiungen wurden mit den Stimmen von den Grünen, SPD und der Wählergruppe Schupp abgelehnt. Ein Anfang ist gemacht!

Rüdiger Neitzel BI Lebenswertes Rübenach – 19.11.2020
Fotos BI Lebenswertes Rübenach

1 KOMMENTAR

  1. Wider besseren Wissens wird das GVZ geplant und erweitert ohne Berücksichtigung ökologischer Standarts. Den Beschreibungen der Koblenzer Stadtplanung von Herrn Neitzel ist zu ergänzen was weltweit allgemein üblich ist, angestrebt wird und Bestandteil allgemeiner Planung ist. Ohne diesen allgemeinen Standard pflegen wir die Fehlentwicklung der industriellen Revolution.
    Dazu zählen:
    – Erschließung eines Gebiets nur mit leistungsfähigen ÖPNV-Anschluss. Ein Bus ist nicht leistungsfähig. Das Land RLP hat mal die Vorschrift: Kein Neubaugebiet ohne Bahnanschluss. Ohne S-Bahnanschluss sind alle Arbeitnehmer zu einem eigenen PKW gezwungen, müssen einen Führerschein haben, Stellplatz im Wohngebiet und Stellplatz im Industriegebet. Wie sollen zukünftig Arbeitnehmer zum Arbeitsplatz kommen, wenn nur teure E-PKW mit teurer Energie zur Verfügung stehen? Wie sollen zukünftig Arbeitnehmer zu diesem Industriegebiet kommen wenn der Motorisierte IndividualVerkehr über Steuern verteuert werden? CO2-Ziele 2030 und 2050 müssen erreicht werden! Abreißen, neu?
    – Erschließung eines Industriegebiet über Straße und Schiene! Wie soll zukünftig eine CO2-reduzierter leistungsfähiger, kostengünstiger Gütertransport stattfinden ohne Schiene? Wie sollen Güter – von der Gütertrasse Genua-Rotterdam – zu einem GVZ ohne Bahnanschluss kommen? In Wallersheim umladen von der Schiene auf den LKW. Wallersheim, Metternich, Bubenheim und Rübenach sagt jetzt schon: Nein, danke!
    – Ökologisches bauen! In Koblenz allgemein Fehlanzeige. Nach wie vor werden nur neue, unverbrauchte Flächen genutzt. Fruchtbarer Boden wird zerstört. Nach wie vor werden keine Industriebrachen zur Nachnutzung gesucht und bevorzugt neu genutzt.
    – Eine Verpflichtung der Bauherrn zum klimaneutralen Gebäude. Solarzelle? Wasserspeicher? Bauen mit nachwachsenden Baustoffen. z.B. Bürogebäude aus Holz. In Koblenz allgemein Fehlanzeige. Haltbarkeit heutiger Industriebauten liegt unter 20 Jahre! Danach ist eine optimale, wirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich und wird minderwertig nachgenutzt oder steht leer.
    – Begrünung der Randbereiche, Begrünung der Dachflächen und Hauswände, in Koblenz alles Fehlanzeige. Zum Teil vorgeschrieben, werden Bauherrn von den Pflichten entbunden. Grünflächen zur Kühlung der Bürogebäude wäre das mindeste.

    Es gibt das Pariser Abkommen, das Koyoto-Protokoll und diverse nationale Beschlüsse, als Ergebnis allgemein erkennbarer Folgen, was wir Klimawandel nennen. Die Folgen unseres rücksichtslosen Energiekonsum wurde schon in Publikationen im Club of Rome der 70er Jahre beschrieben.

    Herr Neitzel, „warum dann so pingelig“? Weil es Zeit ist!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here