Der lange Marsch

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von Hans Gappenach

Julius von Berger, dessen vornehmes Marmorgrab für alle Zeiten einen Ehrenplatz vor dem Kircheingang hat, versah aus reiner Menschenliebe viele Jahre den Küsterdienst, während Wilhelm Welter als Glöckner fungierte. Die  beiden Junggesellen verstanden sich gut. An einem Herbsttag um 1890 drückte der Küster seinem Freund ein Scherflein in die Hand mit dem Auftrag, ihm vom Dähler Wuzzemarkt ein großes Stück Lebkuchen mitzubringen. Als müde vom langen Fußmarsch, der alte Welter am Abend zurückkam – er trug übrigens wegen seines Blasenleidens Sommer wie Winter einen Überzieher –, hatte er nur noch das Einwickeltuch und musste auf die Frage nach dem Mitbringsel seinem adeligen Freund bekennen: „Ech hann jemöffelt on jemöffelt, on als ech an de Bröckerbach koom, da hat ech keine mieh!“

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