Messdienerausflug

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von Hans Gappenach

Pastor Krumscheid (von 1942-1952 in Rübenach) war ein väterlicher, gütiger, stets hilfsbereiter Mann,  bei seinen Pfarrkindern ob seiner Leutseligkeit besonders beliebt. Seine Wirkungsjahre  fielen in keine glücklichen Zeiten: eine bombenzerstörte Kirche, Hunger und Not überall, Elend in den Familien durch den Tod der Väter und Söhne! Hier in der Stille zu wirken, gab es tausend Möglichkeiten.
Da waren Trostworte zu sprechen und Ehen zu kitten, dort für ein Kommunionkleidchen zu sorgen und hier und da ärgsten Hunger zu stillen. Tausendfach hat er Hilfe geleistet und für jeden ein gutes Wort gefunden. Einem Landwirt, der durch einen Unfall sein Pferd verloren, brachte er noch am gleichen Abend 2000 Mark in bar und ohne Quittung ins Haus, damit er sich ein neues  kaufe. Doch als Schuld der Erbsünde hatte er – wie jeder Mensch – auch seine Leidenschaften: seine Vorwitzigkeit, seine „Kozzelsucht“ (Tauschsucht) und sein Auto, für das er Benzin noch in schlimmsten Notzeiten besaß. Darüber ließe sich viel erzählen, aber alle seine „Schwächen“, das sollte man sagen, waren letztlich und im Kern durch seine pastorale Sorge bedingt.
Inwieweit man da dem „Autonarren“ alles verzeihen kann,  mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls wurden die Messdiener laufend Opfer seiner Motorbesessenheit. Der jährliche  Ausflug führte immer zum gleichen Ziel: zum Nürburgring! Auch der Tag lag fest: der Freitag vor dem „Großen Preis von Deutschland“! dann begann nämlich das Training zum sonntäglichen Wettkampf; man sparte der Eintritt und war aus dem Gedränge. Aber Gott sei Dank interessieren sich heranwachsende Jungen für Motoren und den Lärm, den sie fabrizieren, allemal!
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