Die Hamsterfahrt 1946/47

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von Hans Gappenach

Ebenso wie der sture Säufer oder der gewohnheitsmäßige Trinker, der meist einsam und gewissermaßen zur Betäubung den Alkohol in sich hineingießt, auf die Umwelt abstoßend wirkt, erscheint der fröhliche Zecher, der nur in lustiger Runde und der Geselligkeit wegen zum Glas greift, liebenswert, wenn dabei einmal hie und da ein Viertel über den Durst geleert wird. Von solch letzterem jedenfalls, die den Wein mehr als Medizin zu gebrauchen wissen, ist hier die Rede:
Pastor Krumscheid – der um einen Kommunionsanzug zu tauschen, etwas Mehlnachschub benötigte – , Alscheids Willi und Alsbachs Toni waren in der Hungerzeit mit dem Pferdewagen auf einer Hamsterfahrt nach Kobern, um Wein zu holen, wobei natürlich an Ort und Stell die entsprechenden Kostproben genommen wurden. Bei der Heimfahrt hatte man neben dem Wein auch noch 2 Sack Mehl dabei, die hinten im Wagen lagen, worauf Alscheids Willi schlief. Am Belltal merkten die beiden anderen, die vorne auf dem Kutschbock saßen, dass der dritte fehlte. In einiger Sorge fuhr man zurück und fand jenen friedlich schlafend, auf einem Sack Mehl liegend, mitten auf der Straße. Das hintere Wagenbrett hatte sich gelöst.
Man kann sich denken, dass das lustige Trio nun, durch diesen „Fall“ belehrt und nach nochmaliger Einkehr in Winningen, gemeinsam in Rübenach ankam.
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