„Gelten im Stadtteil Rübenach andere Bauvorschriften?“

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Ein Neubau engt den schmalen Gehweg in der Rübenacher Kilianstraße noch weiter ein.

Leserbrief von Rudolf Kowalski, Koblenz

So langsam überkommt uns das Gefühl, dass den sogenannten Stadtoberen und den zuständigen Beamten der Stadt Koblenz unser Rübenach völlig egal zu sein scheint. Sei es das sogenannte, aber nicht praktikable Güterverkehrszentrum, die lange versprochene Umgehungsstraße, die Umgestaltung der Kilianstraße zur Einbahnstraße … oder eben aktuell die Beseitigung eines seit Jahren vorhandenen Gehweges.

Im diesbezüglichen Artikel der RZ vom 20. Juli werden auch noch teils völlig unsachliche Argumente seitens der Bauherren vorgetragen. Man habe der Stadt einen Streifen von 20 Zentimetern geschenkt. Gelten in Rübenach eventuell andere Landesbauvorschriften als im Rest des Landes Rheinland-Pfalz? An dem Grundstück meines Elternhauses zum Beispiel wurde ein Streifen von einem Meter Breite über eine Länge von nahezu 60 Metern (Eckgrundstück) von der Kreisverwaltung für gerade einmal 10 Prozent des Kaufpreises „abgekauft“. Aufgrund der gezahlten Preise nennt man so etwas auch schon mal „Zwangsenteignung“.

Drei Häuser auf einem recht überschaubaren Grundstück ohne Mindestabstand von jeweils fünf oder sogar sechs Metern voneinander (Ausnahme: keinerlei Fenster zueinander): Ob eine genaue Prüfung der prozentualen Bebauungshöchstgrenze beim Genehmigungsverfahren stattgefunden hat, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Als Gipfel dann die nahezu vollständige Eliminierung eines vorhandenen Bürgersteigs … zum Bau einer „Garage“. Es darf angezweifelt werden, dass dieser Teil der Gebäude als Garage genutzt werden soll. Ein wenig erinnern die hier angewandten oder recht locker ausgelegten Bauvorschriften an solche der Favelas in Brasilien.

Rhein Zeitung – 30.07.2019

2 KOMMENTARE

  1. Die Kilianstraße ist eine verbaute Dorfstraße. Das schmale, flache an der Seite, manche meinen das wäre ein Bürgersteig, ist ein Rammschutz! Diese Breite ist für Fußgänger auf der ganzen Länge nicht zu nutzen. Die Hauseingänge sind zur Straße ausgerichtet, vom Friseurladen mit einem Schritt direkt auf die Straße. Die neue Mauer für die Garage macht die Situation nicht besser aber auch nicht schlechter, sie steht in der Flucht und das nennt man Baulinie.Die Dorfstraße ist nicht als Durchgangsstraße und Parkplatz geeignet und der begrenzte Raum wird dem Auto zugesprochen. Was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren, oder?

    Nein, der Zustand ist untragbar. Fast 5.ooo PKW pro Tag und parkende Autos als Hindernisse für Fußgänger, Fahrradfahrer, Rollstuhlnutzer, Rollatoren-Nutzer und Kinderwagen! Barrierefrei ist in Rübenach ein Fremdwort.

    Was kann man ändern? Häuser abreißen die Straße zweispurig verbreitern und Bürgersteig mit Parkplatz bauen? Wohl kaum. Da man also die Straßen wegen bestehender Häuser nicht verbreitern kann, bleibt nur die Straße den Bürgern zu geben. Straße ist kein Parkraum. Eine Fahrbahn, der Parkstreifen, wird Bürgersteig. Es bleibt eine Spur für eine Einbahnstraße. Wer kein Parkplatz auf dem eigenen Grundstück hat, muss sich Fläche bei einem Nachbar anmieten oder kann kein Auto anmelden. Verhältnisse wie in Singapur, so what? Ist das ein gesellschaftliches Problem wenn man ein Auto ohne Parkplatz auf dem eigenen Grundstück hat. Nein.

    Das zweite Problem ist die sogenannte Nachverdichtung mit Appartmenthäusern und Wohnhäusern in Rübenach. Die Bebauung in Rübenach ähnelt von jeher einer Favela. In Wohnnutzung umgebaute Scheunen, Schuppen an Schuppen bis alles bebaut ist, der kleine Nutzgarten in zweiter Reihe als Baugrund für das Wohnhaus für die Kinder, als Rangierfläche dient immer die Straße, Parkfläche für Autos sowieso, die kleinste Nutzfläche wird gepflastert und wenn wir ehrlich sind, finden ganz viele Bürger die „Vorgärten des Grauens“ schön! Die neuen Häusern orientieren sich an der allgemeinen Bebauung in Rübenach. Das nennt man ortsüblich und ich glaube es wird SCHÖN.

    Nicht, die Verwaltung ist zu blöd, sondern WIR Bürger müssen verstehen und akzeptieren die Fläche einer Stadt ist begrenzt und muss neu aufgeteilt werden. WIR müssen uns an die eigene Nase fassen. Weltweit ist das Problem bekannt und die Neugestaltung läuft unter folgendem Slogan: Die Rückeroberung der Stadt. Zentraler Wohnraum. Fahrradwege. Bürgersteig. Öffentliche Grünanlagen. ÖPNV. Bestehende Bahntrasse Koblenz-Bassenheim nutzen für eine Stadtbahn! Für weniger MIV, weil mehr geht nicht.

  2. @ Johannes Fuck
    Was diese Mauer auf dem bisherigen Gehweg betrifft, hat sich hier sehr wohl die Situation an dieser Stelle verschlechtert – und zwar deutlich. Natürlich gibt es in der Kilianstraße noch einige Bauten, die ähnlich nahe an der Straße stehen. Dieser Fall hier ist allerdings nahezu einmalig. Da stehen Häuser, die 100 Jahre und älter sind. Wenn aktuell einhundert Jahre alte Bauvorschriften zur Anwendung gebracht werden, dann stimmt doch wohl etwas nicht. Da ist doch ganz offensichtlich etwas faul – und Fäulnis stinkt bekanntlich zum Himmel. Es wurde inzwischen auch an mich herangetragen, dass man in den letzten Jahrzehnten in Rübenach versäumt habe, einen entsprechenden Bebauungsplan zu erstellen, respektive einen bestehenden entsprechend zu ändern, so denn einer vorhanden ist.
    Die Eingemeindung von Rübenach ist nun 49 Jahre her. Also seit fast fünf Jahrzehnten obliegt die Erstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes demnach wohl der Stadt Koblenz – und zwar in Gänze, wenn ich nicht falsch orientiert sein sollte. Zumindest ist mir bisher in Rübenach noch keine Baubehörde aufgefallen, die hier zu entscheiden hätte.
    Von entsprechender Stelle wurde mir inzwischen schon verbal mit entsprechender Dekadenz begegnet. Wie war das noch mal mit „getroffenen Hunden“, die laut bellen? Dieser schöne Satz meiner Großmutter (R.I.P) ist hier anscheinend durchaus anwendbar und genauso aktuell wie eh und je.
    Rudolf Kowalski

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