„Perfekte Fehlentscheidungen“

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Soll die Bahnstrecke zwischen Lützel und Bassenheim erhalten bleiben oder als Fortführung des Maifeld-Radwegs umgebaut werden? In dieser Frage soll eine Machbarkeitsstudie Klarheit bringen. Zwei Rübenacher Ratsmitglieder haben sich gegen eine Reaktivierung der Bahnstrecke ausgesprochen.

Leserbrief von Heinz Kropp, Koblenz

Ich verfolge die Berichterstattung der Rhein-Zeitung zu diesem Thema durch verschiedene Redakteure seit mehr als einem Jahr und muss sagen, dass mein Unverständnis über die Aussagen aus Rat und Verwaltung mittlerweile ins Uferlose geraten ist. In einem Artikel der RZ vom 25. Mai 2019 kann man lesen, dass die Straßenbahn (1887 bis 1967) bereits im Jahr 1919 das Hauptverkehrsmittel innerhalb von Koblenz und Umgebung war.

Das Streckennetz ist rund 50 Kilometer lang. Endpunkte sind 1919 Metternich, Neuendorf, Moselweiß (Gülser Brücke), Schützenhof, Niederlahnstein, Arenberg, Sayn und Höhr-Grenzhausen. Aus heutiger Sicht fast paradiesische Zustände. Aus mangelnder Zukunftssicht ist man dann in den Wahn verfallen, dies alles abzuschaffen. Gleichzeitig wurde auch die Bahnstrecke Koblenz–Mayen eingestellt.

Perfekte Fehlentscheidungen, die man dann später durch weitere Fehlentscheidungen verfestigt hat. Nun wollen sich auch noch die CDU-Ratsmitglieder Andreas Biebricher und Thomas Roth ein Denkmal setzen wie die Protagonisten des Radwegs Bassenheim-Ochtendung, indem sie fordern, die (bis heute Gott sei Dank nicht entwidmete Restbahnstrecke Lützel-Bassenheim) ebenfalls zu einem Radweg zu machen. Ich kann dem Leserbrief von Herrn Fuck nur vollinhaltlich zustimmen und den Herren Biebricher und Roth nur empfehlen, einmal einen Blick auf Heilbronn zu richten. Dort wurde zwar 1955 die Straßenbahn ebenfalls eingestellt, jedoch wurde durch weitsichtige Stadtväter der Weg für die Stadtbahn Heilbronn, eine aus drei Linien bestehende Regionalstadtbahn, 2001 eröffnet.

Auf der Strecke Öhringen-Heilbronn (vergleichbar Mayen–Koblenz) werden hier werktäglich 13 400 Personen transportiert. Dies ist eine Verfünffachung der Fahrgastzahlen einer alten Verbindung. Zum guten Schluss kann ich nur bezüglich Fahrradweg/Bahnstrecke sagen: nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.

Rhein Zeitung – 04.11.2019

 

 

3 KOMMENTARE

  1. Zum aktuellen Zeitpunkt noch eine Bahnstrecke entwidmen zu wollen, grenzt an Selbstzerstörung, zumindest aber an Lernresistenz. Dieser Wahn, sich als Politiker*in unbedingt und teils gegen jede Vernunft eigene Denkmäler setzen zu wollen, greift immer mehr um sich. Ob zusätzlich auch noch Kalkül dahinter steht, die Befürworter einer Stadtbahn gegen die Interessen der Radfahrer aufbringen zu wollen, sei dahingestellt.

  2. Die Fehlplanungen der Stadt Koblenz sind legendär, aber aus der Sicht des Autofahrers ist doch alles ok. Man glaubt noch zwei drei Straßen mehr, die Straße noch biss’le breiter, da muss noch ein Vorgarten dran glauben, da noch eine Hochbrücke oder eine kreuzungsfreie Turbine als Abfahrt und es läuft. Es läuft nie! Der Stau entsteht immer an den Engstellen. Eine Fahrbahnverengung auf einer Rheinbrücke, ein Unfall in Bendorf oder kleinste Störungen „Regen“ und das Verkehrschaos bricht aus. Der Fehler der 70er Jahre haben viele Städte erkannt und durch Rückbau von Straßen, verbesserung des ÖPNV-Angebots, Fußgänger und Fahrradfahrer erhalten in der Stadt mehr Raum werden die Lebensverhältnisse besser. Bubenheim, Rübenach und Metternich, als traditionell angelegtes Straßendorf, leiden stark unter dem jetzigen Verkehr. Die neuen Gewerbegebiete, zusätzlichen Appartmenthäuser durch Nachverdichten werden weiteren Pendlerverkehr bringen. Auch wenn die Verwaltung behauptet „es gibt keinen Zusammenhang“ ist das Gebiet zwischen der B9 bis zur A61 und von der Mosel bis zur A48 ein Verkehrssystem mit wenigen Knotenpunkten als Engstellen.
    Der IST-Zustand ist jedem bekannt, die Zukunft mit der jetzigen Planung schlimmer.

    Die Planung von Freiburg Dietenbach sollte man sich als Vorbild nehmen. Grundlage ist die Anbindung des Stadtteils mit einer Straßenbahn – bestehende Linie wird verlängert. Erschließung mit durchgehenden Fahrradwegen. Parken der Autos ausserhalb des Stadtteils. Keine Durchgangsstraßen! Dann überlegt man die Nutzung, die Grünflächen und die vertragliche Regelung einer längerfristigen günstigen Miete für die soziale Durchmischung. Immer wieder werden Bürger an der Planung beteiligt, die Ideen fließen in die Planung mit ein. Fehler die an anderen Stadtteilen gemacht wurden, werden berücksichtigt und nicht wiederholt.

    Was macht Koblenz: Baut auf Zuruf. Bestehende Bebauungspläne werden erweitert oder abgeändert. Festgelegte Dachbegrünung wird aufgehoben, bestehende Bebauungslinien oder Nutzungsflächen nicht eingehalten. Erfahrungen vom Gewerbepark Mülheim-Kärlich fließen nicht in die Planung ein.

    SPD Koblenz hat das Problem und die Zukunftsfähigkeit der Bahnstrecke inzwischen erkannt, war doch schon vor einigen Jahren die Entwidmung zu befürchten. Das haben wir Bürger, zusammen mit mehreren Umweltverbänden durch unsere außerparlamentarische Aktionen verhindert. Die SPD Koblenz hat zusammen mit den Grünen und den Linken eine Machbarkeitstudie „Nutzung der Bahnstrecke“ auf den Weg gebracht. Die Fragestellung soll jetzt eine Arbeitsgruppe erarbeiten.

    Die SPD hat die Idee, dass jede Partei einen Fachmann für diesen Arbeitskreis benennen kann und hat eine entsprechende Anfrage an die Verwaltung gestellt. Wer, wenn nicht die Bürger vor Ort, die sich über Jahrzehnte als Leidtragende mit der Problematik auseinander setzen, wären dafür besser geeignet.

    Der BahnInitiative Koblenz-Ochtendung e.V. hat man das Klagerecht gegen eine Entwidmung der Bahnstrecke von Bassenheim nach Ochtendung abgesprochen. Da ist der Zug sprichwörtlich abgefahren. Der Rückgang der Bevölkerung zeigt die unattraktive Lage nur wenige Kilometer vor den Oberzentren koblenz, Neuwied und Mayen. Der hohe prozentuale Anteil an PKW zeigt die Abhängigkeit von teurer und dreckiger Technik.

    Die SPD hat eine soziale Verantwortung eine günstige Alternative zum eigenen PKW zu organisieren damit auch der ländlichen Raum mit den Altbestände an Wohnraum genutzt werden kann. „Günstiger Wohnraum für die Familie“ wird doch immer wieder gefordert. Erschließung des ländlichen Raums mit der Bahn ist dafür absolut notwendig. Der eigene PKW wird durch die hohen Umweltauflagen in der Herstellung teurer. Energie wird teurer. Der Arbeitnehmer brauch eine günstige Alternative zum PKW damit im Kreis nicht das Licht ausgeht.

    Wir Bürger dürfen nicht nachlassen, die Vorteile der Bahn immer wieder zu benennen. Das Beispiel von Heilbronn und die „Verfünffachung der Fahrgastzahlen“ sind kein Einzelfall. Nicht ohne Grund werden in vielen Städten in neue Straßenbahnen investiert oder in Karlsruhe eine Stadtbahn mit einem unglaublichen Einzugsgebiet betrieben. Der Schienenersatzverkehr (Bus) von Boppard nach Koblenz brauch lt. Medien 40 min. länger – Wer fährt Bus bei der Leistung?

    Fehlentscheidungen sind oftmals nicht rückgängig zu machen aber bei der aktuellen Entwicklung kann man wieder hoffen!

  3. Das Ziel einer Machbarkeitsstudie sollte eine Entscheidungsgrundlage über die Durchführbarkeit eines Projektes darstellen – sollte.

    Die in einer Machbarkeitsstudie abzuhandelnden Punkte wie vor allem „wirtschaftliche Machbarkeit (Kostenrahmen, FINANZIERUNG)“ sowie die RENTABILITÄT eines Projektes spielen für die STADT KOBLENZ eine gewichtige Rolle und daran wird dieses Projekt auch scheitern.

    KOBLENZ hat das Ende eines ausgeglichenen Haushaltes bereits eingeläutet und das für JAHRE und oben drauf noch eine NEUVERSCHULDUNG in Aussicht gestellt, die auch kommen wird.

    Und – KOBLENZ hat andere Probleme – und die SPD ebenso, wie man erst kürzlich lesen durfte, die gefordert hat, dass man im Hinblick auf die BUGA 2029 nun endlich in die Gänge kommen sollte um neue Strukturen diesbezüglich zu schaffen. Auch hierzu muss ein Ausschuss her.
    Dass die BUGA 2029 (neben anderen kostenträchtigen Projekten) als Priorität anzusehen ist, dagegen dürfte das Projekt „Bahntrasse“ keine Chance haben, sondern die Machbarkeitsstudie eher unter dem Motto einhergehen:“Wir, die SPD, haben etwas getan und damit ist es auch gut so!“

    Was vielleicht vergessen wird – neben einer Machbarkeitsstudie geht gleichzeitig eine Risikoanalyse einher, die sicherlich auch von der SPD nicht vergessen wird.

    Es gibt vielerlei Beispiele, was wo anders besser gemacht wird/wurde oder man besser machen könnte.

    Deutschland floppt nicht nur in Sachen KLIMAKRISE – auch dazu gehört die BAHN – und daran wird sich so schnell nichts ändern und das Projekt BAHNTRASSE ist so ein kleines Licht, mit dem sich die Stadtpolitik zwar beschäftigt, beschäftigen muss, aber in der Prioritätenliste einen letzten Platz einnimmt.

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