Resolution des OBR gegen Windenergieanlagen in Rübenach

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Der Rübenacher Ortsbeirat lehnt die gegenwärtigen Planungen von Windenergieanlagen in der Rübenacher Gemarkung ab, da dies sowohl für die Bevölkerung als für die Natur große Nachteile mit sich bringen würde.

Begründung:

Der Rübenacher Ortsbeirat ist sich der Klimakrise bewusst. Er begrüßt und unterstützt Maßnahmen, die im Einklang mit den Bürgerinnen und Bürgern dem Klimawandel entgegenwirken und steht alternativen Ideen und Planungsansätzen offen gegenüber. Die aktuell in Rübenach geplanten Windenergieanlagen können aus vielerlei Gründen aber nicht in diesen erwähnten Einklang gebracht werden:

1. Der Stadtteil Koblenz-Rübenach ist von den beiden Autobahnen BAB 48 und BAB 61 umgeben, wobei erstgenannte unmittelbar an der Wohnbebauung entlangführt. Ein daraus resultierender notwendiger Lärmschutz wurde bisher nicht umgesetzt.

2. Ebenso befindet sich das Güterverkehrszentrum A61 auf der Rübenacher Gemarkung, für welches aktuell eine nicht unerhebliche Erweiterung geplant ist. Eine daraus resultierende Ortsumgehung wurde bisher nicht umgesetzt. Allein dies sind Belastungen, die kein anderer Koblenzer Stadtteil vorzuweisen hat.

3. Die im neuen Flächennutzungsplan für Koblenz ausgewiesene Vorhaltefläche für Windenergieanalgen befindet sich zwischen BAB 61 und der bebauten Rübenacher Ortslage. Dieser Bereich wurde unter anderem auch daher ausgewählt, da eine „visuelle Vorbelastung durch das Industriegebiet A 61 und weitere Industrie- und Gewerbegebiete der Umgebung sowie durch die Hochspannungsfreileitungen und die beiden Autobahnen“ („Flächen für die Windenergie in Koblenz. Untersuchung des Stadtgebietes Koblenz auf Flächen, die für die Ausweisung von Sondergebieten Windenergie geeignet sind“, Koblenz
2021, Seite 29) vorliegt. Demnach wird die gegenwärtige für Rübenach in vielerlei Hinsicht belastendende und in der Lebensqualität durchaus einschränkende Situation nicht als Ausschluss- sondern als Auswahlkriterium angewendet.

4. Schon Anfang der 2000er Jahre hatten Teile der Stadtverwaltung sinngemäß geäußert, dass aufgrund der bereits vorhandenen Vorbelastung durch das Industriegebiet an der A61 ein Standort für Windkraftanlagen nicht verträglich / vertretbar sei. Zum damaligen Zeitpunkt standen jedoch noch Windräder mit max. 35 m Höhe zur Diskussion.

5. Die in diesem Bereich durch die Firma „Prokon“ geplanten drei Windenergieanlagen erreichen eine Gesamthöhe von bis zu 240 Metern. Die aus den Planungen resultierenden negativen Folgen wären immens: Lärmbelastung, Eiswurf, Schattenwurf, Infraschall, Lichtbelastung durch die Positionslichter, Reflexionen und auch eine Einschränkung der Frischluftzufuhr würden nicht nur die Lebensqualität der Rübenacherinnen und Rübenacher einschränken, sie hätten auch Auswirkungen über den Stadtteil hinaus. Stellenweise sehen sich außerdem Rübenacher Gewerbetreibende in ihrer Existenz bedroht. Wir sehen weiterhin die Gefahr der direkten Beeinflussung des Wettergeschehens durch den gewaltigen Flügelschlag (man spricht von atmosphärischen Verwirbelungen durch die Turbinenblätter, sogenannter WAKE – Effekt). Es kann somit räumlich gesehen bis weit über den Standort der Windturbinen hinaus zu geringeren Niederschlagsmengen kommen.

6. Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zum Koblenzer Tierheim, zur Einflugschneise des am Bundeswehrzentralkrankenhaus stationierten Rettungshubschraubers, die Nähe zum Modellflugplatz Koblenz sowie die Bedrohung für die heimische Tier- und Vogelwelt, auch geschützter Vogelarten, wie etwa des Rotmilans.

7. Die Gefahr für den Naturschutz wird außerdem noch dadurch gestärkt, dass zwei
der drei Windräder im unmittelbaren Quellbereich der Bäche „Anderbach“ und „Brückerbach“ liegen und diese durch die wuchtigen Fundamente nachhaltig negativ beeinflusst werden würden. Jegliche Baumaßnahme in derart sensiblen Gebieten beeinträchtigt tiefliegende Grundwasserströme.

8. Ebenso stellt die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet „Im Otter“ für die dortige Tier- und Pflanzenwelt durch unregelmäßige Lichtverhältnisse und die erzeugte permanente Unruhe immense Nachteile dar.

9. Hinzu kommt außerdem, dass die aktuellen Planungen nicht im aktuell rechtskräftigen Vorranggebiet liegen. Die gegenwärtig mit Grundstückseigentümern durchgeführten Verhandlungen durch Prokon in nicht rechtskräftigem Gebiet führen vielmehr zu Verunsicherung und unnötiger Bewegung in Bezug auf die Bodenrichtwerte. Diese Herangehensweise findet außerdem ohne jegliche Rücksprache mit Verwaltung und Politik statt.

10.Weiterhin hat die Stadtverwaltung nie nachvollziehbar dargelegt, warum Windkraft ausschließlich in der Gemarkung Rübenach angesiedelt werden muss/soll. Es erweckt den Anschein, als werde der Standort Rübenach innerhalb der Stadtgrenzen bereits als „alternativlos“ angesehen. Alternativstandorte scheinen nie ernsthaft diskutiert worden zu sein oder sie wurden aufgrund der Vorbelastung der Rübenacher Gemarkung als vermeintlich erheblicherer Eingriff ausgeschlossen.

Für den Rübenacher Ortsbeirat sind daher die aus der Errichtung der Windkraftanlagen resultierenden Einschnitte in die Natur, in die Lebensqualität von Mensch und Tier, das vorliegende Konfliktpotential und die Belastungen für die Bevölkerung so groß, dass die Planungen abgelehnt werden. Diese Ablehnung gilt sowohl für die gegenwärtigen als auch alle kommenden Planungen in der Rübenacher Gemarkung.

Die Resolution wurde von allen Fraktionen des Ortsbeirates CDU, SPD und Bündnis 90/ Grüne erarbeitet und anschließend einstimmig verabschiedet.

Ortsbeirat Rübenach – 28.06.2021

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5 KOMMENTARE

  1. Ob diese Resolution Eindruck auf die Stadtverwaltung Koblenz macht,wage ich stark zu bezweifeln. Auch kann ich mir nicht vorstellen, das sie dazu führt, den Bau der Windräder zu verhindern. Mein Eindruck ist, das diese Monster schon längst beschlossene Sache sind. Alleine der Glaube ist es, der mir fehlt, das des Bürgers Wille ernsthaft wahrgenommen wird. Außerdem glaube ich kaum, das irgend ein anderer Stadtteil sich freiwillig meldet und sagt: Stellt die Dinger bei uns auf.

  2. Da steht ein großes NEIN! Obwohl der Ortsbeirat sich der Klimakrise bewusst ist! Was ist denn die Alternative oder kann alles bleiben wie es ist? Ist der Ortsbeirat sich eines möglichen Versorgungsengpasses bewußt? Fragen über Fragen.

    Ich vermute auch der OBR möchte keine Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke. Das wäre eine Alternative. Sonne ist nur für wenige Stunden nutzbar. Strom muss aber irgendwie hergestellt werden! Wind ist da schon besser. Klimaverträglich. Bezahlbar.

    Klimakrise: Es ist doch alles bekannt. In den USA gibt es bereits US-Klimaflüchtlinge. Durch eine extreme Wettersituation, u.a. in Kalifornien, können viele Bewohner nicht mehr in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Die können den Strom für die Klimanalage nicht mehr bezahlen. Ohne Klimaanlage fehlt die notwendige Abkühlung. Das bedeutet Gemeinschaftsunterkunft! Staatliche Fürsorge! Einige Regionen in den USA sind schon unbewohnbar. Der Trek zieht Richtung Norden. Der Versorgungsengpass, die hohen Energiekosten, unerträgliche Hitze und Wasserknappheit in den USA wird in vielen Artikel beschrieben. Das ist ein mögliches Szenario, auch für uns. Man könnte auch Nicaragua oder Regionen von Afrika nehmen aber USA ist auch ein hochentwickeltes Land. In den nächsten zwei Jahren nimmt man die letzten Atomkraftwerke vom Netz. Kohlekraftwerke bis 2038, je früher desto besser fürs Klima. Ab 2025 wollen einige Autohersteller keine Verbrenner mehr ausliefern. Die wirtschaftlichen Folgen als „Klimasünder Nr. 1“ sind nicht zu verantworten. Shell hat man in Den Haag schon verurteilt – müssen als Unternehmen Klimaschutz-Auflagen erfüllen! Prognose: Wir werden viel, viel mehr Strom benötigen. Die steuerbare Stromherstellung fällt weg. Wir müssen diese volantile Stromherstellung aus Wind und Sonne auch noch speichern. Green Fuel.

    Es gibt Alternativen:
    Wir können Energie sparen durch einen guten leistungsfähigen ÖPNV. Das ermöglicht eine barrierefreie Mobilität wenn man sich die Energie für den MotorisierterIndividualVerkehr (MIV) nicht mehr leisten kann.
    Aber auch hier gibt es ein ganz großes NEIN zur Stadtbahn Koblenz-Bassenheim-Ochtendung-Mayen.

    Man kann ganze Regionen vom Netz nehmen damit man das Nezt stabilisiert. U.a. auch Rübenach. Keine Heizung. Kein E-MIV. Kein Fernseh. Kein warmes Essen. Alles bekannt. Möglicherweise wird man für wenige Stunden dann Strom zugeteilt bekommen. Wer übernimmt die Verantwortung? Wir sollten uns schon mal die Namen des Ortsbeirats merken.

    Der Ortsbeirat ist offen für alternative Vorschläge, aber nicht in der Gemarkung Rübenach. So wird das nichts. Zu dem möglichen Standort Rübenach, darf es auch sonst keine weiteren Tabu-Zonen geben. Es darf keine Tabu-Themen geben. Wer einen Vorschlag unterbreitet ist keine Spassbremse, Verbotspartei, Monothematiker, Wutbürger oder Querdenker sondern „pro Aktiv“. Das sollten wir alle sein. Nein, ist keine Lösung.

  3. Ich habe als Rübenacher Bürger so langsam keine Lust mehr, mich an den ewig Gestrigen zu reiben, denen unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten für uns, unsere Kinder und Enkel völlig gleichgültig zu sein scheinen. Hauptsache dagegen, dagegen, dagegen, Punkt und basta. Inzwischen sollte auch bei uns jedem klar sein, was mit unserem Klima passiert. Der Rotmilan wird uns sicher nicht retten können. Niemand sollte sich noch gegen erneuerbare Energien stellen – auch nicht in Rübenach. Das Umdenken muß bei uns allen stattfinden, nicht immer nur bei den Anderen. Als Bewohner von Rübenach, der dort oben weder Grundstücke besitzt, noch Anteile an der Firma Prokon hält, möchte ich die Dinger haben. Das ist mein Bürgerwille, der Umwelt, uns und unseren Nachfahren zuliebe

  4. Nachtrag:
    Die ARD-Sendung Kontraste brachte es nun heute Abend, 15.07.2021 auf den Punkt. Die Geschichte mit dem angeblichen Ultraschall ist frei erfunden und somit null und nichtig. Auch Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) hat dies nun zugegeben. Ausnahmsweise mal nicht nur eingeräumt, sondern zugegeben. Das beauftragte Unternehmen hatte die Zahlen um das Tausendfache nach oben „angepasst“. Dort wurde das nun ebenfalls eingeräumt. Die Politik hat jahrelang den Ausbau erneuerbarer Energien bewusst behindert und sogar boykottiert. Es bedarf nicht allzugroßer Vorstellungskraft, dass auch die aktuellen, katastrophalen Zustände in der Eifel in RLP und in NRW mal wieder als „völlig normal“ von unseren Regierenden dargestellt werden. Natürlich haben alle diejenigen recht, die aktuell vorher sagen, dass ein Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft von den erneuerbaren Energien nicht vollständig ausgeglichen werden kann. Wie soll das auch gehen, bei einem politisch gelenkten Boykott? Und wir in Rübenach machen fleißig mit, bravo.

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