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Dä Riwwenacher Methusalem

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Modder Sproch von Peter Preußer

Man schrieb das Jahr 1884. Saß da an einem Sonntagvormittag eine stattliche Anzahl fröhlicher Schoppenstecher beim „Linze Maddes“ am Stammtisch und ließen sich den letzten Jahrgang schmecken, wobei die Witzraketen nur so hinüber und herüber flogen.

Da betrat ein Sohn Albions die Stube, setzte sich zu den Stammgästen und freute sich über die fröhliche Stimmung, die sehr bald – das sah man ihm an – auch auf ihn abfärbte. Auf die Frage eines Stammgastes nach dem Woher und Wo hin des Weges, erzählte der Engländer, er sei Berichterstatter einer Londoner Zeitung und interessiere sich ganz besonders für Leute, die ein sehr hohes Lebensalter erreicht hätten. Man habe ihm gesagt, die Weintrinker würden durchweg älter als andere Menschen, und deshalb sei er nun an den Rhein gekommen. Da blitzte es in den Augen des als Heimatdichter stadtbekannten Köwes Tillewein auf. Das war etwas für ihn!

Tillewein, dem der Schalk stets im Nacken saß, sagte zu dem Engländer: „Wenn se ahle Leit sehn wolle, dann meeßen‘se noh Riwwenach ginn, do wohne die älteste Leit von der ganze Gäjend!“ „Wo sein Ribbenach?“ fragte auch prompt der aus ländische Gast. „Ich hann morje freh Zeid“, erwiderte Tillewein, „dann well ich met Inne dohin ginn!“ „Serre gut“, ließ sich der Engländer vernehmen, „gehen wir susammen morgen nach Ribbenach!“ Darauf wurden noch einige Schoppen getrunken und die Stunde des Abmarsches festgelegt.

Tillewein ging aber bereits am selben Nachmittag noch nach Rübenach und verabredete dort in der „Krone“ mit dem „Husarepitter“, der im ganzen Umkreis als Witzbold bekannt und trotz seines hohen Alters zu einem lustigen Streich immer noch aufgelegt war, die Dinge, die sich tags darauf abspielen sollten.

Als Tillewein am nächsten Vormittag mit dem Engländer in Rübenach eintraf, kam, gestützt auf einen Krückstock, ein hochbetagter Mann die Dorfstraße herunter. „Oh, das sein eine alte Mann“, rief der Engländer, stürzte auf ihn zu und fragte: „Lieber Mann, wie alt sein Sie?“ „Vierundneunzig“, gab der Alte zur Antwort und fing an zu weinen. „Warum weinen Sie?“ wollte der Fremdling wissen. „Mei Vadder hat mich gehaue!“ „Warum haben Ihr Vater Sie gehauen?“ „Ich Hanna mei Grußvadder en de Dreck falle lohße!“ „Wie. Sie sein vierundneunzig Jahre und haben noch Großvater?“ rief vor Erstaunen ganz außer sich der Englischmann, um dann ganz aufgeregt weiter zu fragen: „Wie alt sein Großvater?“ „Jo, lewer Här“, bekommt er zur Antwort, „do meeßt Ihr dä Pastur frooche, da hat en gedaaft!“

Darauf telegrafierte der Engländer an seine Londoner Zeitung: Pastor von Rübenach bei Koblenz am Rhein ist der älteste Mann der Welt!

Schängel-Ausgabe – 25.04.2026



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