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Wirt spielte auf der Zugspitze Posaune

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„Bei Hans“: Nach Leben aus dem Koffer in Rübenach Zuhause gefunden

Mit ARDNachrichtenmann Ulrich Wickert hat Hans Wickert mehr als nur den Nachnamen gemein. Denn auch „Bei Hans“ laufen allabendlich die Neuigkeiten zusammen. Wenn auch nicht die aus der ganzen Welt  zumindest aber die aus Rübenach. Seit rund 44 Jahren nämlich steht Hans Wickert (77) hinter der Theke seiner Kneipe, „moderiert“ live quasi die Rübenacher LokalAusgabe der Tagesthemen. Und: Wickerts Zuschauer sitzen nicht vor einer Mattscheibe, sondern werden in die „Sendung“ mit eingebunden.

Hans Wickert Foto Herbert Hennes

RÜBENACH. Auf den ersten Blick ist es eine Kneipe wie jede andere. Der Raum ist leicht verraucht, Plastikblumen zieren die Regalbretter in Eiche rustikal, es gibt den obligatorischen Stammtisch, natürlich eine Theke mit ein paar Hockern und selbstverständlich gibt es auch einen Platz für die Pokale der Rübenacher Volleyballspieler, die „Bei Hans“ neben ihrem Spielfeld eine zweite Heimat gefunden haben. Der Unterschied zu anderen Gasthäusern offenbart sich also erst auf den zweiten Blick. Oder, genau genommen dann, wenn Wirt Hans Wickert anfängt, aus einem alles andere als gewöhnlichen Lebenslauf zu erzählen, der ihn, den „Anchorman“ am Zapfhahn, den Wickert der „lokalen Tagesthemen“, 1962 nach Rübenach geführt hat.

Der Unterschied zu anderen Gasthäusern offenbart sich also erst auf den zweiten Blick. Oder, genau genommen dann, wenn Wirt Hans Wickert anfängt, aus einem alles andere als gewöhnlichen Lebenslauf zu erzählen, der ihn, den „Anchorman“ am Zapfhahn, den Wickert der „lokalen Tagesthemen“, 1962 nach Rübenach geführt hat. Denn die berufliche Karriere des 77–Jährigen begann keineswegs hinter einem Tresen, sondern beim Niederrheinischen Symphonieorchester in Düsseldorf. „Als junger Posaunist hatte ich da mein erstes Engagement“, erzählt Hans Wickert, der sich nach der Mittelschule in Frankfurt zum Berufsmusiker ausbilden ließ.

Weil es in der Nachkriegszeit aber bei den amerikanischen Besatzern bessere Arbeitsbedingungen gab, währte dieser Einsatz nicht lange. 1946 heuerte der gebürtige Düsseldorfer beim „Special Service“ der US–Streitkräfte an, die den Rheinländer nach Bayern schickten. „Und ich ging gerne“, erinnert sich Wickert. Kein Wunder. Immerhin sollte er an einem ganz besonderen Ort musizieren: Im „Schneeferner Haus“ auf der Zugspitze. Von dort aus führte es Wickert dann in die gesamte Republik, nach Hamburg, nach Ulm, nach Osnabrück und nach Berlin. Wickert spielte in Hotels, Varietés und auch schon mal in Ballhäusern. Aber: „Die Engagements dauerten im Schnitt nur drei bis vier Monate. Weil das Publikum in den meisten Häusern ja immer dasselbe war, mussten eben die Musiker wechseln, um den Gästen immer wieder etwas Neues zu bieten.“

Ein sprichwörtliches Leben aus dem Koffer also, von dem der Posaunist dennoch bis heute schwärmt. „Das war eine wunderschöne Zeit“, sagt er. Wohl auch, weil ihm bei einem dieser Auftritte seine Frau Ursula über den Weg gelaufen ist, die er 1948 bei einem Hotelauftritt in
Garmisch–Partenkirchen kennen und lieben gelernt hat und die fortan gemeinsam mit Hans Wickert durch deutsche Lande reiste. Und das genauso gerne wie ihr Mann. „Diese Jahre möchte ich auf keinen Fall missen. Es war einfach niemals langweilig“, erinnert sich Ursula Wickert mit zumindest leicht wehmütig klingender Stimme. Denn 1962 hatte die Reiserei ein Ende. Durch verwandtschaftliche Bande zog es das Paar nach Rübenach, wo Ursula und Hans Wickert zunächst ein Café pachteten, aber schon kurze Zeit später eine alte Scheune in ihre Kneipe „Bei Hans“ umbauten.

Für das Paar war das die einzige berufliche Option, um dauerhaft sesshaft zu werden. „Denn durch die Gastwirtschaft holen wir uns die Welt quasi in die eigenen vier Wände“, sagt Hans Wickert, der deshalb auch mit seinen 77 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denkt. Auch wenn sich „die Welt“ seit rund 40 Jahren nunmehr nur noch auf die von Rübenach beschränkt. Langweilig wird es den Wickerts aber auch mit diesem eingeschränkten Radius nicht. Dafür hat die Zeit gesorgt. Wickert: „Schließlich ist es mittlerweile die dritte Gäste–Generation, die bei mir an der Theke steht.“ Mitunter auch gleichzeitig. Denn dass der Opa dem Enkel „Bei Hans“ ein Bier spendiert, ist alles andere als eine Seltenheit …

Rhein Zeitung – 21.01.2006



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