Dicke Milch

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von Hans Gappenach

Die Müllerin auf Hahns Mühle (eine geborene Flöck aus Mülheim) war eine sehr resolute Frau. Sie verstand es, dicke Milch anzusetzen, deren Güte in der ganzen Gegend bekannt war, so bekannt, dass Kaiserin Augusta, wenn sie sommers im Koblenzer Schloss weilte, häufig nach Rübenach auf die „Stiftsmühle“ kam, um sich an dieser erfrischenden Speise zu laben. Eines Tages begleitete sie ein hoher Ordonnanzoffizier aus vornehmen Geschlecht. Er löffelte ebenfalls aus dem irdenen Topf die kühle Milch, brockte sich aber kleine Brotstückchen hinein. Das brachte die Müllerin – übrigens eine Urgroßmutter des Schreibers – so in Wut, dass sie den Militär verächtlich mit „Du Saukerl“! anfauchte. Woraus wohl zu entnehmen ist, dass man, um den richtigen Genuss zu haben, ehedem dicke Milch unverfälscht und ohne jegliche Zutat zu essen pflegte.
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