„GVZ-Erweiterung ist ein Fehler“

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Das Güterverkehrszentrum bei Rübenach an der A 61 soll erweitert werden.

Im Grunde kann ich Herrn Hammann (Wirtschaftsförderer der Stadt Koblenz, Anm. d. Red.) verstehen, schließlich macht er nur seine Arbeit. Und dass Stadtentwicklung in Koblenz (noch) an althergebrachten Prinzipien orientiert ist, wundert mich nicht. Aber es geht nicht um Vergangenes, sondern – wie der Name seines Amtes impliziert – um die Zukunft von Koblenz und unser aller Zukunft.

Ich werde wohl nichts Neues mehr sagen, wenn ich auf alle glaubhaften Studien der vergangenen Jahre verweise, die beweisen: Wenn wir nicht augenblicklich (nicht in fünf, schon gar nicht in zehn Jahren) auf ein nachhaltiges Wirtschaftssystem umsteuern, wird es auch noch zu Hammanns Lebzeiten keine Rolle mehr spielen, wie viele „Anfragen nach Gewerbefläche auf ihn eingeprasselt sind“.

Denn die düsteren Szenarien zeigen unter anderem Kaskadeneffekte, beispielsweise ausbleibende Niederschläge und damit verbundene Auswirkungen, auch in Deutschland, Rheinland-Pfalz, Koblenz. Also hier bei uns. Das Jahr 2018 kann hier als kleiner Vorgeschmack dienen, ist aber bei weitem nicht repräsentativ: Der Rhein als Rinnsal, verdorrte Böden, ausbleibende Ernten als Normalzustand der 2040er-Jahre. Und selbst das ist noch nicht das Ende. Die Szenarien für die folgenden Jahrzehnte sind noch schlimmer.

Wer das immer noch leugnet, muss sich den Vorwurf der (sträflichen) Ignoranz gefallen lassen. Ich appelliere nun nicht nur an Herrn Hammann, sondern gerade auch an diejenigen, die ihn beauftragen. Liebe zukünftigen Stadträte: Bitte denken Sie schnellstens um. Die Erweiterung des Güterverkehrszentrums an der A 61 bei Rübenach ist ein Fehler. Denn sie entspricht genau der Art des wirtschaftlichen Handelns, die uns alle erwiesenermaßen an den Rand der Katastrophe geführt hat.

Die Verantwortlichen der vergangenen Jahrzehnte konnten sich noch auf die Ausrede berufen, dass nichts bewiesen sei, selbst wenn die Anzeichen schon sehr deutlich zu erkennen waren. Das ist im Jahre 2019 nicht mehr möglich. Die gute Nachricht: Es gibt bereits nachhaltige Wirtschaftsförderung – auch im kommunalen Rahmen. Es existieren Möglichkeiten, Arbeitsplätze und Wertschöpfung zu schaffen, ohne die katastrophalen Folgen in Kauf nehmen zu müssen, die mit der ständig neuen Versiegelung kostbarer Mutterböden verbunden sind. Erhalten Sie die Ressourcen, die wir noch haben – nicht nur für die kommenden Generationen, sondern auch für Ihre persönlichen Lebensgrundlagen. Wir müssen handeln. Jetzt, sonst ist es zu spät.

Robert Zerwas, Koblenz

Rhein Zeitung – 24.05.2019

4 KOMMENTARE

  1. Herrn Zerwas kann man nur zustimmen. Sicher ist die Erweiterung des GVZ ein Fehler, der schon damit begonnen hat, dass es dieses GVZ überhaupt gibt.
    Und die Stadt hält hieran fest. Das beweist die „Voruntersuchung von 190 Hektar“.
    Die Haushaltsrede der SPD-Spitze macht es deutlich:“Dem positiven Gewerbesteueraufkommen in Koblenz sind „mutige“ Investitionen vorausgegangen. Hieran müssen wir festhalten. Wir müssen alles dafür tun, damit der Wirtschaftsstandort Koblenz stark bleibt. wir müssen weiter an den Voraussetzungen arbeiten, für alle Bevölkerungsgruppen Arbeitsplätze in Koblenz vorzuhalten“.
    Diesen vorgeblich mutigen Investitionen haben neben Gewerbesteueraufkommen (allerdings nicht so positiv, wie es herausgestellt wird) haben mehrere wissentlich akzeptierte negative Nebeneffekte.
    In der Hauptsache die Zerstörung einer Kulturlandschaft, die ansonsten doch immer von der Politik als Erhaltenswert gepriesen wird. Einer Kulturlandschaft, der durch die zunehmende Flächenversiegelung Flora, Fauna, Arten verloren geht – der Stadt Kalt- und Frischluft-Zufuhr-Zonen – (noch) mehr Verkehr bedeutet = (noch) schlechtere Luft – (und mehr Arbeitsplätze bedeuten auch mehr Pendler und wer es nicht ist … WO wohnen zu annehmbaren Mietpreisen, denn sozialer Wohnungsbau ist für Koblenz nach wie vor ein Fremdwort) etc..
    All dies ist bekannt.
    Im Gegenzug wünscht sich die SPD-Spitze: „Ich wünsche mir eine Stadt mit wenigen Autos und einer guten Luft“.

    UPPS? Da stimmt doch was nicht.
    Auch mit der Äusserung, man ist für eine Nachverdichtung und gegen eine Ausweitung neuer Baugebiete … wegen der „FLÄCHENVERSIEGELUNG“.
    Ob hier jemand garnicht weiß, wovon er da redet?

  2. @ Robert Zerwas/Jürgen Müller:
    Im Grunde ist Ihren beiden Ausführungen nichts mehr hinzu zu fügen. Ausführlich und alles sehr treffend dargestellt. Ob man seitens unserer gewählten Obrigkeit (Politiker) immer so genau weiß, wovon diese reden, sei dahingestellt. Vielleicht bewegen sich manche dieser Leute auch in dem Bereich, dass sie „duschen möchten – ohne nass zu werden“.
    Mir ist durchaus bewusst, dass ich hier mal wieder zur Polemik greife. Allerdings weiß ich bald auch nicht mehr, wie man in Koblenz noch vorgehen, oder wie man sich äußern soll, um gegen diese sprichwörtlichen „Windmühlen“ anzukämpfen. Oft werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Entscheidungen gar keiner Fachausschüsse mehr bedürfen, da die entsprechenden Beschlüsse schon längst gefasst sind. Aus meiner persönlichen Sicht werden diese Ausschüsse oft nur noch als Alibi benutzt.
    Nach dem über 2000 Jahre alten „Brot und Spiele-Prinzip“ werden uns in Form unserer Meinungsfreiheit ein paar Brotkrume hingeworfen. Wir dürfen unseren Unmut in Form von Leserbriefen kundtun, während an den echten Entscheidungsstellen die Beschlüsse längst gefasst sind und man dort schon zum nächsten Thema gewechselt hat.
    Rudolf Kowalski

  3. Seien wir doch mal ehrlich. Jeder von uns fasse sich mal an die eigene Nase. Jede politische Entscheidung ist ein Abwägen von sozialen, ökologischen und ökonomischen Gründen.

    Ökologisch Maßnahmen im Hinblick auf Klimawandel:
    – CO2 Steuer (nur ein Äquivalent von 1.000 l Benzin/Jahr pro Familie für Verkehr und Heizung ist frei, dann wirds teuer);
    – Fahrverbot für Benziner und Diesel in Innenstädten;
    – Windräder möglichst nah am Verbraucher; zB an der A61
    – 1 Tag/Woche ohne Fleisch;
    – Strecken unter 6 km dürfen nicht mehr mit eigenem PKW zurück gelegt werden.
    – auf der Autobahn Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h
    – neue Zulassungen von PKW nur bei Verbrauch unter 5 l/100 km (Da war doch was? Scharping! Wer?)
    – Kerosinsteuer
    – innländisches Flugverbot
    – Verbot von Kreuzfahrtschiffen mit Dreck-Diesel
    Klimawandel ist nur mit Einsparungen möglich und diese Argumente sind immer wieder mal im Gespräch, ökologisch verantwortlich wäre das alles.

    Wollen wir aber nicht. Wir wollen Arbeitsplätze, hier in Koblenz. Mit den große Konzerne haben auch kleinen Dienstleister Arbeit. Wir wollen eine attraktive Stadt mit Kulturangebot, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebot. Wir wollen
    – freie Fahrt für freie Bürger. – günstige Flugreisen in die ganze Welt. – günstige Energie. – große Autos. – saubere markellose Lebensmittel und keine Äpfel mit einer Macke. ect.

    Und warum ist das möglich? Nur durch Wirtschaftswachstum. Nur durch permanente Steigerung der Produktivität. Wir leben alle rücksichtslos auf Kosten der Natur. GVZ A61, DLZ B9, Nachverdichten von Metternich für mehr Wohnraum, Gewerbegebiet Metternich sind die Grundvoraussetzung für unseren Lebensstandard. Wir sind noch nicht mal bereit Strecken bis 6km mit dem Fahrrad zurückzulegen oder eine wenige Minuten längere Anfahrt zur Arbeit mit ÖPNV zu akzeptieren. Durch unseren MIV haben die Anliegern der Hauptstraßen Dreck, Lärm und Gestank. Wir sind rücksichtslos und leben gut damit.

    Klar. Mit dieser „Wahrheit“ wäre ich nicht wählbar. Es hört sich doch viel besser an von Klimaschutz zu philosophieren. Grüne Zukunft mit einem SUV als Stromer, alles erneuerbare Energie, zertifiziertes FSC-MIX-Papier und CO2-neutral geseusel.

    Die politische Entscheidungen müssen immer sozialen, ökonomischen und ökoligischen Gründen gerecht werden alle Parteien machen das mehr oder weniger. Den Grünen sagt man nach, sie hätten Kompetenz in der ÖKÖLOGIE. Naturschutz wollten die bisher mit Verboten erreichen – man spricht aber nicht mehr von Verboten sondern moderiert mit immer höheren Beliebtheitswerten! Die SPD sprechen offen von CO2-Steuer, achten aber auch auf SOZIALE Komponenten z.B. bezahlbare Energie, bezahlbaren Wohnraum und Arbeitsplätze im Kohlebergwerk oder Automobilindustrie. Das ist aber angreifbar und wird als unglaubwürdig gewertet. CDU hofft auf Innovation – es wird alles Gut – hält nichts von Verboten und weiteren Steuern und Abgaben und achtet mehr auf die ÖKONOMIE.
    Aber keiner ist bereit, die getroffene Entscheidung zu erklären, dann wäre die Karriere zu Ende.
    Wie Rudi schon gesagt hat: Wasch mich aber mach mich nicht nass.

    Ich hoffe auf eine verantwortungsvolle Infrastrukturpolitik: Reduzierung der Fahrbahnen zugunsten von Fahrradspuren und Nutzung bestehender Bahntrassen für einen leistungsfähigen ÖPNV. Das wäre ökologisch, ökonomisch und sozial. Die Nutzung würde nur Zeit und Komfort kosten, das wäre der persönliche Einsatz und das sollte es uns wert sein….

  4. Unter „TIERHEIM KOBLENZ“ wird darauf aufmerksam gemacht, dass „derzeit“ umfangreiche Bauarbeiten zur Erschließung einer neu geplanten GEWERBEANSIEDLUNG im „GVZ A61 des Stadtteiles Koblenz-RÜBENACH“ stattfinden.

    Auf einem, an die Zaunheimer Straße angrenzenden Gelände entsteht ein Verkehrsübungsplatz für Kraftfahrer mit Technikhalle sowie ein Verkaufs- u.Schulungsgebäude der Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG).

    Für die Erschließung dieser Gewerbefläche sind zwei Stichstraßen an die Zaunheimer Straße fertigzustellen und zwar bis SEPTEMBER 2019.

    Nachzulesen, allerdings nicht in dieser Deutlichkeit, ist dies auch auf „KOBLENZ-baut“.

    Ich selbst kann mich davon aufgrund eines dafür fehlenden Verkehrsmittels nicht überzeugen, halte aber alles, was mit einer ERWEITERUNG des GVZ (und der damit verbundenen Nachteile für RÜBENACH) für äusserst wichtig, zumal der STADT und ihrer fehlenden Aufklärungsarbeit gerade in diesem Punkt NICHT zu trauen ist.

    Es wäre wünschenswert, wenn Interessierte sich einmal ein örtliches Bild von dieser „Erweiterung“ machen könnten.

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