Klimawandel in  Rübenach

4
1278

Es hat in den letzten Tagen ja tatsächlich mehrmals geregnet und man möchte glauben das sich die Natur erholt. Realität ist aber, dass der Anderbach, der unterhalb der Firma Canyon im sogenannten Güterverkehszentrum  (GVZ) Rübenach entspringt, noch immer trocken ist. Das nebenstehende Foto wurde am 19. Juni an der Stelle aufgenommen, an der der Bach die Keltenstraße unterquert und wie man sieht:  Da ist kein Tropfen mehr.

Nun muss man wissen, dass dieser Bach über Jahrhunderte eine der ehemals acht Mühlen in Rübenach betrieben hat. Diese wurde ca. 1631 von Philipp-Lothar zu Eltz erbaut und von wechselnden Besitzern bis etwa 1933 betrieben. Seit 1890 trug sie den Namen Moskopp – Mühle. Das Fachwerkgebäude, welches im Jahre 1720 restauriert wurde, ist durch die Leistung der Familie Moskopp in historischer Form erhalten geblieben, obwohl es, wie die anderen Mühlen im Jahre 1933 von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht wurde.

Durch das Anwesen führte seiner Zeit ein befestigter Feldweg in Richtung Güls. Heute verläuft die Mühlenstraße, die ihren Namen nach dieser Mühle hat, knapp westlich an dem Mühlengebäude vorbei. Was seit fast 400 Jahren funktioniert hat ist nun wegen der Versiegelung des Bodens im GVZ und im Gewerbegebiet an der A 61 vorbei. Wenn das Wasser am Hang nicht versickern kann, kann es im Tal auch nicht als Bach zu Tage treten.

Man mag diese Entwicklung gut finden oder nicht, aber man sollte sich Rechenschaft ablegen über das was gerade geschieht. Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Rübenach“ e.V. möchte dazu mit dieser Veröffentlichung beitragen.

Rüdiger Neitzel BI „Lebenswertes Rübenach“ – 22.06.2020
Foto BI „Lebenswertes Rübenach“

4 KOMMENTARE

  1. Noch ein Nachtrag zum Versiegen des Anderbachs: Dies ist nur der Vorgeschmack, denn der Brückerbach, also der „Hauptstrom“ Rübenachs, wird das selbe Schicksal ereilen! Ich fahre im Gebiet um das GVZ viel Fahrrad und die Größenordnung von Amazon sollte jedem Rübenacher auch bestens bekannt sein. Das gesamte Gelände oberhalb der A61 ist ja ein wenig aus unserem Fokus geraten (Zweckverband), aber es ist sehr zu vermuten, dass dort in früheren Zeiten der Niederschlag versickert ist, der dann die Quelle des Brückerbachs speiste. Was geschieht denn mit dem Wasser (wenn es denn mal regnet) heute? Auf´s Amazon Dach, in Regenrinnen, in den Kanal, weg…. Und Amazon ist ja nicht allein! Lidl, RZ etc. UND es wird weiter fleißig gebaut!!! Oberhalb von „Gautzsch“ und Lidl, rechts neben Amazon, war hinter diesen Hallen noch eine recht große Brach-Fläche, von der ich annahm, die sei „Ausgleichsfläche“ und damit wenigstens ein klein wenig vor Versiegelung geschützt. Pustekuchen! Hier rollen seit Wochen die Bagger! Fahrt mal hoch, wenn es Euch interessiert, und macht Euch Euer eigenes Bild! Ich gehe jede Wette ein, dass auch hier – trotz aller ewig gleichen Beschwichtigungen der Verantwortlichen – das meiste Wasser der (immer geringer werdenden) Niederschläge nicht versickert sondern abfließt. Ergo wird die Kombination aus geringen Niederschlägen und fortschreitender Versiegelung auch den Brückerbach trocken legen – höchstwahrscheinlich wesentlich schneller, als alle erwarten. Wie im Großen so im Kleinen (vgl. heutige Meldungen zum Klima z.B. in der RZ „Niedrigwasser des Rheins“ und die UN „Global Warming“ Kommission twittert von 38 Grad am Polarkreis). Ich befürchte, dass wir „Durst“ noch in vielen Dimensionen kennen lernen werden. Aber Hauptsache, die Steuereinnahmen von Amazon fließen in Strömen 🙂 🙂 🙂

  2. Mit den Steuereinnahmen von Amazon ist es nicht weit her. Steuerlicher Firmensitz von Amazon
    ist in Luxenburg, weil dort es günstiger ist, die Gewinne zu versteuern. Damit in Deutschland so gut wir keine Steuern zu entrichten sind, zahlen die deutschen Standorte an den Hauptsitz in Luxemburg Lizenzgebühren, um hier das Geschäft zu machen. Das heisst im Endergebnis, Amzon Deutschland setzt dies als Betriebsausgaben ab und mindert somit den zu versteuernden Gewinn, was zwangsläufig hier zu geringeren Steuereinnahmen für den Bund, Rheinland-Pfalz und die Stadt Koblenz führt. Bei dem geringen Steuersatz in Luxemburg macht Amazon ein gutes Geschäft.

    • Lieber Herr Bengel,
      dass die Steuereinnahmen eben NICHT fließen, wollte ich durch die „Smileys“ zum Ausdruck bringen. Aber vielen Dank für Ihre erklärenden Worte, denn ich vergesse manchmal, dass nicht jeder Leser dieser Seite über entsprechende Informationen verfügt. Wobei genau solche Fakten enorm wichtig wären, bevor man sich ein Bild macht, das wiederum zur (politischen) Willensbildung führt. Denn das aller traurigste an der Geschichte ist doch, dass einerseits kostbare, unwiederbringliche Ressourcen geopfert werden, während andererseits die Wertschöpfung (der Ertrag) nicht bei den Menschen landet, denen diese Ressourcen genommen wurden: Rübenach (und auch Koblenz!) hat bald keine landwirtschaftliche Fläche, keine Kaltluft-Entstehungsgebiete, keine Bäche mehr, aber Amazon zahlt Steuern in Luxemburg! Gerecht ist anders, oder!?
      Beste Grüße!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here