Unser Rübenach, Dienstag, 11. Dezember 2018

Rübenacher wollen weiterhin Druck machen

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Verein „Lebenswertes Rübenach“ verweist auf eigene, besorgniserregende Messungen in der Aachener Straße

Rübenach. „Wir machen weiter“: Das ist die Botschaft der Initiative „Lebenswertes Rübenach“ nach den alles andere als guten Nachrichten aus dem Rathaus in Sachen Lärmschutz für den Stadtteil. Und die Zweifel an dem jüngst im Fachbereichsausschuss IV vorgestellten Verkehrsgutachten wachsen inzwischen auch in der Politik. Der eingetragene Verein will jetzt sogar ein eigenes Gutachten in Auftrag geben, obwohl Mitglieder bereits selbst eine breite Datengrundlage erarbeitet haben.

„Es ist ja nicht so, dass die Stadt nichts gemacht hat, aber es dauert alles viel zu lange“, kritisiert Vorsitzender Rüdiger Neitzel. Er selbst hatte seinerzeit vor dem Verwaltungsgericht geklagt und gewonnen. Die Folge: Die Stadt hat inzwischen mehr als 200 000 Euro in relativ schnell umsetzbare Maßnahmen investiert. Dazu gehören unter anderem ein „Blitzer“ am Ortseingang aus Richtung Bassenheim, mehrere Elemente zur Fahrbahnverschwenkung und Tafeln, die die Geschwindigkeit anzeigen.

Der „Blitzer“ gehörte zum Maßnahmenpaket der Stadt. Aus Sicht des Vereins „Lebenswertes Rübenach“ haben die Investitionen aber nicht viel bewirkt. Die Initiative erhält deshalb ihre Forderungen aufrecht. Foto: Reinhard Kallenbach

Die Wirkung der Maßnahmen ist aus Sicht des Vereins bescheiden, weil zwei zentrale Forderungen nicht erfüllt wurden: Die Sperrung der Aachener Straße für Lastkraftwagen und die Ausweisung einer durchgängigen Tempo-30-Zone. Beide Schritte bewertet die Stadtverwaltung als wenig sinnvoll, weil sie aus ihrer Sicht wenig an den derzeitigen Verhältnissen ändern (die RZ berichtete). Rüdiger Neitzel und sein Stellvertreter Heiner Jellinek monieren, dass sich die Stadt nicht an ihre Zielvorgaben hält. Beide verweisen auf den Lärmaktionsplan 2020 der Stadt, in dem genau diese Tempo-30-Zone gefordert wird. Dazu kommt der Faktor Zeit. Der Vorstand verweist auf die Tatsache, dass die Debatte um Entlastungen für Rübenach bereits mindestens 15 Jahre zurückreicht. Streng genommen sogar bis 1993. Denn damals wurden die 40-Tonner eingeführt, zudem hat sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht, was auch für Rübenach Folgen hatte. Die Aachener Straße, deren Vorläufer eine preußische Provinzstraße war, ist für diese Belastungen nicht ausgelegt, und an Häusern bildeten sich mit der Zeit Risse. Genau deshalb schauen die Anlieger ganz genau hin.

Anders als die Verkehrsgutachter haben Mitglieder des Vereins vom 28. September bis 28. Oktober eigene Langzeitmessungen mit einem offiziellen Messgerät durchgeführt, das sie selbst gekauft haben. Ergebnis allein für die Aachener Straße: 303 711 Kraftfahrzeuge. „Das sind 3,6 Millionen Kfz im Jahr“, fasst Rüdiger Neitzel zusammen. Aus seiner Sicht würde die Einführung einer 30er-Zone zumindest die Lärmbelastung verringern. Das sieht die Stadt anders, die auf die Ergebnisse des eigenen Gutachtens verweist. Demnach wurden Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 32 und 39 Kilometern pro Stunde gemessen.

Die Werte stellt der Verein gar nicht in Abrede. Er selbst hat einen Durchschnitt von Tempo 35,6 ermittelt. Aber der Hinweis auf das Mittel hilft aus Sicht des Vorstands hier nicht weiter. Denn die eigenen Untersuchungen haben ergeben, dass 82 Prozent der Fahrzeuge, das Limit von Tempo 30 zum Teil deutlich überschreiten. Dazu kommt, dass täglich rund 400 schwere Lkw durch Rübenach rollen. Auch diese Zahl bewegt sich im Bereich der „offiziellen“ Daten der Stadt. Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, warum die Stadt keine Tempo-30-Zone will. Die Antwort: Verkehrsplaner gehen davon aus, dass Autofahrer Ausweichstrecken suchen, vor allem über die Keltenstraße. „Ein Umweg über die Keltenstraße endet in jedem Fall im Münsterweg, der eine mit Betonschwellen ausgestattete Spielstraße ist. Wo soll da der Anreiz sein, diese Straße als Ausweichstrecke zu benutzen?“, fragt Rüdiger Neitzel, der die Mitglieder hinter sich weiß. Die Ergebnisse ihrer jüngsten Versammlung waren eindeutig. Jetzt will man – zunächst über den Stadtrechtsausschuss – den Druck wieder erhöhen. War es doch die Stadt selbst, die bereits 2005 auf Grundlage von Gutachten neben baulichen Maßnahmen auch Änderungen von Vorfahrtsregelungen in Spiel gebracht hat, um Rübenach aus der Rolle eines „Transitstadtteils“ zu befreien oder die Ortslage zumindest deutlich zu entlasten. Reinhard Kallenbach

Rhein Zeitung – 03.12.2018

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