Aussehen und Ausdehnung im Mittelalter

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von Udo Liessem

Es ist unmöglich, genaue Aussagen über Aussehen und Struktur des Dorfes Rübenach während des hohen Mittelalters zu machen, da alle Angaben erst mit der Spätzeit dieser Epoche einsetzten. Selbst die Bausubstanz der alten 1866 abgerissenen Kirche geht, sieht man vom Turmbau ab, nicht vor 1200 und das Eltz´sche Burghaus datiert erst in die Zeit um 1250.

Ferner gibt die ausschließliche Betrachtung von Kirche und Adel ein völlig einseitiges Bild wieder. Wenn also von den spätmittel-alterlichen Gegebenheiten weiter zurück geschlossen werden muss, so geschieht das nur mit größtem Bedenken. Gesicherte Aussagen können durch eine gezielte Grabung im 4 Morgen großen Areal des Eltz´schen Anwesens gewonnen werden, denn hier immer wieder beobachtete Scherben, die bis in die merovingische Zeit reichen, zeigen an, dass an dieser Stelle eine Partielle Hofwüstung (oder gar Ortswüstung?) zu erwarten ist. Der Kern des Ortes bildet der Fronhof – der sogennante Maximiner Hof – mit der zugehörigen Eigenkirche, woraus sich die heutige Pfarrkirche entwickelt hat und die Burg mit zugehörigen Wirtschaftsgebäuden. Um die Kirche lag der Fiedhof, vielleicht sogar in – zeitalterlicher – Fortsetzung des fränkischen Gräberfeldes.  Ausnahmslos handelte es sich bei den Häusern des Dorfes um reine Lehmfachwerkbauten; vergleichbar wäre hier auf die fränkische Siedlung bei (Neuwied-) Gladbach hinzuweisen. Auch die Kirche wird aus Holz errichtet gewesen sein; als gutes Beispiel kann Montabaur gelten, wo, laut einer Urkunde aus 959, eine „von Grund auf aus Holz erbaute Kirche „ geweiht worden war. Selbst die Burg wird kein Steinbau gewesen sein; es wäre möglich, an eine Motte zu denken, die „typische Feudalburg eines einzelnen Adeligen“. Der jetzige Burgturm zeigt nicht die geringsten Spuren von älteren, steinernen Vorläufern.

Die ältesten Karten, die den Ort zeigen, stammen aus dem späten 18. Jahrhundert (1784 und 1789), sind aber , was die Topographie des Dorfes betrifft, ungenau und weitgehend unbrauchbar. Die nächsten Karten datieren bereits ins 19. Jahrhundert: Urkataster von 1809 und die sogenannte Tranchot-Karte (zwischen 1803 und 1813). Nach beiden Darstellungen hatte der Ort eine sich dem Oval nähernde Form mit ausgeprägter Nord-Südrichtung. Die Hauptachse bildeten „Mauritius-“ und „Lambertstraße“; ferner waren „Alte-“, Mittel-“ (Gotenstraße) und „v.-Eltz-Straße“ teilweise bebaut. Rübenach dehnte sich von seinem im Norden liegenden Kern nach Süden hin aus; die heute vorherrschende Ost- Westrichtung ist erst im 18. und 19. Jahrhundert hinzugekommen.

Die beiden vorgenannten Karten zeigen natürlich des Ortsbild zum Beginn des 19. Jahrhunderts, das zwar mit dem Ortsbereich des 18. und wahrscheinlich auch mit dem des 17. Jahrhunderts weitgehend übereinstimmt, keinesfalls aber die hochmittelalterlichen Verhältnisse wiedergibt. Die alte Bausubstanz ist durch den Brand von 1841 in großen Bereichen vernichtet worden. Zum Glück aber konnten einige Fachwerkhäuser überdauern: Das älteste ist „Mauritiusstraße“ 22, das seinen Proportionen nach noch spätgotisch ist und über steinerne Giebelwände verfügt; die Fachwerk-konstruktion der Seitenwände wird später erneuert worden sein, worauf auch die Jahreszahl 1686 (am Türsturz) deutet. Für dieses Haus sollte das 16. Jahrhundert maßgebend sein; für das Fachwerkhaus „v.-Eltz-Straße“ 31 dürften ähnliche Überlegungen gelten. Der Hof „Mauritiusstraße“ 22 wird auch ungefähr die südliche Ausdehnung des (spät-) mittelalterlichen Dorfes Rübenach angeben.

Wie viele Dörfer, z. B. Arbenberg, Güls, Kappelen-Stolzenfels, Kettig, Kobern, Lay, Moselweiß, Mülheim oder Vallendar war auch Rübenach befestigt gewesen: 1347 wird ein „Portall gen. Valdor“ am Wege nach Bubenheim erwähnt; 1476 der „Gemeyngraben“; 1479 der „groisse Graefen“. 1441 verpflichten sich die (Koblenzer) Karthäuser wegen ihres Hofes zu Rübenach sechs Mann zur Reinigung des Grabens zu stellen. Schließlich weisen noch Flurnamen auf die Befestigung hin : an die Brücke beim Ritter Herrn Brenner v. Elze „Isenburg“. Auch die Flur „in der Klause“, die auf die Grabenstraße zuläuft, scheint auf eine Absperrung hinzuweisen, denn eine Klause im Sinne einer religiösen Einrichtung ist hier nicht überliefert. An dieser Stelle ist eher ein Ortszugang anzunehmen.
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