„Das Maß ist voll!“

5
1335

Rübenacher Ortsbeirat gemeinsam gegen „Windkraftwahnsinn“

In Rübenach brodelt es. An der Stadtverwaltung und den politischen Gremien vorbei, verhandelt ein Windkraftbetreiber (Redak.: Firma Prokon) mit Grundstückseigentümern mit dem Ziel, vor den Toren des Ortes mehr als 220 Meter hohe Windkrafträder (Nabenhöhe 166 m plus möglicher Rotordurchmesser von ca. 120m/2) zu bauen. Dagegen wehren sich die Rübenacher Ortsbeirats- und Stadtratsmitglieder gemeinsam. Lageplan siehe hier.

„Für uns in Rübenach ist das Maß nun endgültig voll. Wir sind doch nicht der Schuttabladeplatz für ganz Koblenz. Eingekreist von den Autobahnen A48 und A61 mit der entsprechenden Lärmbelastung, die L98 mit 12.000 Fahrzeugen, die mitten durch den Ort geht und natürlich auch das immer weiter wachsende Industriegebiet/GVZ an der A61 – und jetzt noch 220 Meter hohe Windkraftanlagen. Das machen wir nicht mehr mit.“ echauffieren sich die Rübenacher Kommunalpolitiker. 

Neben der Monströsität der geplanten Windkraftanlagen sorgt vor allem das Vorgehen des Windkraftbetreibers für Verärgerung. Weder die Planung, noch die Vorgehensweise sind mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Die Fraktionssprecher von CDU (Martin Monjour), SPD (Christian Franké) und Grünen (Reinhard Alsbach) kritisieren daher auch eine Irreführung der Grundstückseigentümer, denen suggeriert werde, dass das Projekt von der Stadt gewollt sei und die Umsetzung quasi schon fest stehe: „Hier sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden. Den Eigentümern wird vorenthalten, dass mit diesem Projekt bei Politik und Verwaltung eben nicht offene Türen eingerannt werden. Verschwiegen wird bspw., dass die Fortschreibung des Flächennutzungsplans noch aussteht. Sie werden mit sehr hohen Geldbeträgen geködert und über die wahre Dimension und Belastung für Rübenach im Unklaren gelassen.“ 

Genau so sehen es auch die Rübenacher Ratsmitglieder Monika Sauer und Andreas Biebricher von der CDU sowie Marion Lipinski-Naumann und Fritz Naumann von der SPD: „Vor 16 Jahren ist schon einmal fast der gesamte Ort gegen ähnliche Planungen aufgestanden. Damals konnten Politik und Bevölkerung den Wahnsinn vor der eigenen Haustür verhindern und wir werden auch diesmal entschlossen dagegen kämpfen. Niemand von uns hat etwas gegen Windkraft, aber 220 Meter hohe Anlagen in unmittelbarer Nähe machen uns die Lebensqualität in Rübenach kaputt!“ In Rübenach sei die Diskussion über das nahe gelegene Hochregallager und seine Auswirkungen auf Landschaftsbild und Klima noch sehr präsent. Dies sei aber mit seinen 38,5 Meter Höhe eine lächerliche Miniatur gegen die 220 Meter hohen Windkraftmonster, die selbst den 157 Meter hohen Kölner Dom noch mehr als 60 Meter überragten. 

Die Rats- und Ortsbeiratsmitglieder warnen deutlich vor erheblichen negativen Auswirkungen für Rübenach: Lärmbelastung, Eiswurf, Schattenwurf, Lichtbelastung durch die Positionslichter, Verschandelung des Landschaftsbilds, Einschränkung der Frischluftzufuhr und damit auch negative klimatische Veränderungen. All das führe zu einer gravierenden Verschlechterung der Wohnqualität und somit auch zur Wertminderung der Immobilien und Vermarktungsschwierigkeiten bei Baugrundstücken. Die für die Umsetzung der Windkraftanlagen verpachtungswilligen Grundstückseigentümer müssten in ihre Gesamtrechnung einbeziehen, dass ihre Häuser und Grundstücke schlagartig ein Mehrfaches der jährlichen Pacht an Wert verlieren können. Auch für den Naturschutz könnten erhebliche Konsequenzen drohen, bspw. für die heimische Vogelwelt, die Zugvögel und das wichtige Naturschutzgebiet „Im Otter“. Und einmal mehr würde, wie auch schon durch das Industriegebiet, die landwirtschaftliche Nutzfläche reduziert. Hinzu käme die Beeinträchtigung des Flugverkehrs (Flughafen Winningen und BWZK) und die Gefährdung des Rübenacher Modellflugplatzes.

„Hier ist also gar nichts klar und schon gar nicht gewollt. Die Windkraftbetreiber sollen sich lieber Flächen suchen, die weniger konfliktreich sind und nicht einem ganzen, ohnehin schon belasteten Stadtteil und seinen Bürgerinnen und Bürgern die Lebensqualität nehmen. Wir bitten auch die betroffenen Grundstückseigentümer über die Aussicht auf schnelles Geld hinaus, all dies mitzubedenken. Nicht zuletzt bitten wir den gesamten Stadtrat und die Stadtverwaltung um Hilfe und Solidarität, um eine wahre Katastrophe für unseren Ort abzuwenden!“ , so der einträchtige Appell der Rübenacher Kommunalpolitiker.

Andreas Biebricher i. A. Ortsbeirat Rübenach – 07.09.2020

5 KOMMENTARE

  1. Am 07.09.2020 heißt es auf Seite 9 in der RZ, dass Rübenacher gegen Windräder kämpfen.
    Einige vielleicht, aber nicht alle. Wie sähe denn die Alternative aus? Geht auch nur einer der genannten Kommunalpolitiker oder Stadträte etwa davon aus, dass hier anstelle der geplanten Windkraftanlagen Natur erhaltende Maßnahmen ergriffen würden? Ist es das, was uns die Politiker vermitteln möchten? Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass dem nicht so ist. Anstelle dieser geplanten Windkraftanlagen kämen dann eher weitere großflächige Betonierungen auf uns zu.
    Wir Alle befürworten erneuerbare Energien, „aber doch bitte nicht vor unserer Haustür“. Hauptsache der Strom kommt aus der Steckdose. Wo und wie dieser letztlich produziert wird – und wie sehr diese Herstellung unsere Umwelt belastet, ist uns vermutlich egal – hauptsache weit weg von „hier“.
    Wenn wir unsere Ansichten in dieser Richtung nicht drastisch ändern, wird das mit der Umstellung der Energieherstellung nie etwas. „Es leben die Kohlekraftwerke“. Schließlich wird der Strom ja gebraucht, für die weltweite Umstellung auf Elektro-Fahrzeuge, oder etwa nicht, oder wohl, oder doch?
    Freunde, Genossen, Mitstreiter und Andersdenkende… So geht das nicht! So wird das nie etwas! Sehen wir doch endlich der Realität ins Auge!
    Für unser Grundwasser und letztlich auch für den Anderbach wären diese Windräder ein Segen. Denn dort, wo Windräder stehen, werden für gewöhnlich keine Riesenhallen gebaut und alles zubetoniert. Unterhalb und neben den Windkraftwerken kann Regenwasser weiter versickern, bei zubetonierten Flächen eben nicht. Letzteres verschandelt also deutlich mehr unsere Lebensqualität.
    Rudolf Kowalski

    P.S.: Zwischen Bendorf und Höhr-Grenzhausen möchte die Anwohner „auch keinen Strom mehr“.
    Am 31.08.2020 um 13:42 schrieb Rudolf Kowalski:
    Wieder mal ein Fall von: „Wasch mich, aber mach mich nicht naß“. Bitte keine Windräder dort, wo Vögel vermutet werden. Der Rotmilan mußte wieder einmal herhalten. Die meisten von uns wollen erneuerbare Energie, „aber doch nicht vor der eigenen Haustür“.
    Der Strom wird gebraucht, das ist nun einmal Fakt. Wie sähe denn die Alternative zu den Windrädern aus?
    Möchten wir vielleicht, nach dem Abriss des KKW-Kühlturms in Mülheim-Kärlich (das Kraftwerk steht noch) weitere Kohlekraftwerke errichten?
    Ganz sicher nicht. Und mal ganz nebenbei: Gerade einmal unter 10% aller Vögel, die an Windrädern verenden, sollen laut einer Studie von den Windrädern erfasst werden. Über 90% sollen mit unverminderter Geschwindigkeit gegen die Masten fliegen. Noch viel dramatischer soll aber die Zahl der verendeten Vögel sein, die ungebremst gegen Glasfenster fliegen und dadurch ums Leben kommen. 200 bis 300 mal höher sei allerdings die Zahl der Vögel, die von Katzen getötet würden. Wie soll man denn nun mit diesen Zahlen umgehen? Vielleicht Katzen großflächig töten und Fenster verbieten? Ganz sicher nicht.
    Rudolf Kowalski
    >

  2. Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) hat als Abstand von Wohngebiete 1.000 m festgelegt. Das stößt auf großes Unverständnis bei Windkraftbefürwortern, nach deren Meinung ist das ein großes Ausbauhemmnis. Nimbys (Not In My Back Yard) kann der Mindesabstand nicht groß genug sein. Man kann diese 1.000m als einen Kompromiss begreifen, mit dem Ziel, Rechtssicherheit zu schaffen und ein Ausbau nicht vollkommen zu verhindern. Diese 1.000m werden in Rübenach eingehalten. In Bayern mit seiner 10-H-Regel wäre das geplante Windrad nicht möglich. Diese Regel ist aber ein Wahlgeschenk von Herrn Seehofer ohne das Bedürfnis die drängende Frage zu beantworten: Wie wollen wir (zukünftig) unseren Energiebedarf decken? Kohlestrom, Atomstrom aus Tschechien, Frackinggas aus Amerika, Putin-Gas oder ruht an schattigen Tagen der Betrieb?

    Mal ehrlich, Rübenacher, die Ecke ist keine Traumlage. Die Argumente von Herrn Biebricher sind weit hergeholt. Direkt an einem stark befahrenen Autobahnkreuz und an einer Bundesstraße ist der Verkehr ohne zweifel Laut, den hören wir je nach Windrichtung in Metternich. Der Baugrund des Windrads ist am Rand eines Industriegebiets, da wird keine seltene Naturlandschaft verschandelt. Bei dieser landwirtschaftlichen Nutzfläche spechen wir nicht von einem Naturschutzgebiet mit Brutstätten seltener Vögel oder Kinderstube ganz seltener Tiere. Das Blinklicht in 200 m Höhe und über 1.000 m Entfernung wird nicht die Augen der Rübernacher verblitzen. Der Rotor keinen Schattenwurf im Schlafzimmer verursachen. Das ist alles Blödsin. Das ist die übliche Litanei von NEIN-Sager – Hauptsache dagegen.
    Die CDU, und somit wahrschein auch Herr Biebricher, ist gegen eine Stadtbahn Koblenz-Bassenheim, obwohl dadurch der Pendlerverkehr sich stark minimieren würde – Hauptsache dagegen. Damit löst man keine aktuellen Probleme die man unter der Überschrift Energiewende und Verkehrswende diskutiert. Aktuell zerstören wir unsere Lebensgrundlage. Zerstört die CDU (CSU)…. mit ihrer Einstellung unsere Zukunft?

    Ein Windrad wird man bei dem Verkehrslärm nicht raushören. Die Spargelstange wird den Blick in die Eifel kaum stören. In der Abendsonne wird man ein Licht- und Schattenspiel auf den Feldern sehen und es als beruhigend empfinden. Ein Windrad wird den Wind nicht wesentlich aufhalten oder umlenken, der Wind wird etwas langsamer.

    Die Probleme, die Herr Bibericher beschreibt, sind übertrieben und zeigen wenig Handlungsverantwortung. Wir brauchen Energie und die Frage ist wie und wo wird sie hergestellt. Diese Ecke ist ein möglicher Standort, es sollten zwei drei Windräder mehr sein, damit man mit gutem Gewissen sagen kann: Das ist unser Beitrag zur Energiewende. Rechnerisch könnten Rübenacher dann ihren eigenen Stromverbrauch decken.

  3. Wenn ich sowas schon lese…
    „Die Rats- und Ortsbeiratsmitglieder warnen deutlich vor erheblichen negativen Auswirkungen für Rübenach: Lärmbelastung, Eiswurf, Schattenwurf, Lichtbelastung durch die Positionslichter, Verschandelung des Landschaftsbilds, Einschränkung der Frischluftzufuhr und damit auch negative klimatische Veränderungen“….
    Die Verschandelung des Landschaftsbilds kann ich ja vielleicht noch nachvollziehen aber bei dem Rest frage ich mich ernsthaft ob die sogenannten Rats und Ortsbeiratsmitglieder das selbst glauben wovor sie da warnen.Eiswurf bei den milden Wintertemperaturen,Einschränkung der Frischluftzufuhr…Man kläre mich auf,wie wird die Frischluftzufuhr durch ein Windrad eingeschränkt ? Lichtbelastung durch die Positionslichter,man gucke abends von Rübenach ausin Richtung Koblenz,da sind millionen Lichter zu sehen.Ich kann nur mit dem Kopf schütteln über so einen Blödsinn…Kohleausstieg,Stillegung modernster Kohlekraftwerke,kein Verbrennungsmotor und kein Verkehr mehr,alles so schnell wie möglich.Atomstrom im Ausland kaufen,bloß die eigenen Hände nicht schmutzig machen,und ein paar Windräder vor der eigenen Haustür ? Das möchte der deutsche Michel nicht.Wo soll der Strom denn jetzt herkommen.? An alle die zuhause auf der Couch sitzen und vom perfekten Regenbogenland mit Einhornstaub träumen.Klärt mich auf,wo soll denn der Strom jetzt herkommen???

  4. Update: Koblenz ist verpflichtet eine Sondernutzungsfläche für Windkraft auszuweisen. Es bieten sich zwei Flächen an: Rübenach und Arenberg/Arzheim.

    Asterstein/Arzheim ist sehr umweltbelastend, man muss zum Bau der Windanlage große Flächen Wald roden. Windräder würden außerdem im Weltkulturerbe Mittelrheintal stören, außerdem den Blick zur Festung über die Höhen des Westerwalds ins Naturschutzgebiet Schmidtenhöhe und sowieso das zusammenhängende Waldgebiet irreperabel zerstört. Da lassen sich wirklich viele Argumente finden und dann die Anwohner von Arzheim, Arenberg (währed den Anfängen), Koblenzer (der schöne Blick über die Festung in den Wald), Karthäuser, Metternicher dito. wollen das bestimmt auch nicht. Nimby’s wohin man schaut. Die mega Belastung in Rübenach durch das Industriegebiet und die Autobahn sind da schwache Argumente.

    Deshalb hat man (vor einigen Jahren) eine Fläche in Rübenach ausgewiesen, die aber jetzt in die 1.000m-Abstand-Regel von Herrn Altmaier fällt und nicht mehr zur Verfügung steht. Jetzt plant man in direkter Umgebung die neue Flächen, die aber scheinbar noch nicht rechtskräftig aber schon im Flächennutzungsplan eingetragen sind. In diesen Flächen hat Prokon sich schon Grundstücke gesichert, nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage und „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Hinter dem Rücken… das ist Blödsinn.

    Sollte die Stadt keine Flächen ausweisen, kann ein potentieller Windparkbetreiber das einklagen.

    In wie weit dann ein Grundstücksbesitzer sein Grundstück zur Verfügung stellen muss, oder so ein Parzellenbesitzer (und davon gibt es viele) sich weigern kann, weiß ich nicht. Bei Straßen kann man enteignen! Gemeinwohl vor Einzelinteresse.

    Bieberischers-Gebrüll spricht Bände und zeigt die Grenzen des politisch möglichen. Die ablehnende Haltung zu den Windrädern aller Politiker des Rübenacher Ortsbeirats ist nachvollziehbar, sie werden sich auch für die Aussagen einsetzen, aber sollte es anders kommen, sind keine dunkeln Mächte, Wendehälse, oder korrupte Politiker am Werk, sondern man hat geltendes Recht angewendet. Es passiert nicht hinter dem Rücken der Stadtverwaltung und nicht am Bürger vorbei.
    Dolchstoßlegenden sind irreführend und untergraben unsere Demokratie.

    Energiewende brauch Alternativen. Die CO2-Ziele sind ambitioniert. E-Zug, E-Bike, E-Auto und Wasserstoff-Auto fahren nicht von allein. Strom kommt aus der Steckdose aber die Herstellung ist entscheidend.

    PS: Die Information habe ich durch Interviews zusammengetragen und kann ich nicht mit juristischen Quellen untermauern. So ist mir nicht klar, wie groß die Sondernutzungsfläche sein muss? Wieviel Windrad/Einwohner muss gebaut werden? Kann man als Kommunen alternativ Flächen in der Nordsee erwerben? Das war bei meinen Gesprächspartnern nicht zu klären.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here