Der Anderbach in Rübenach ist ausgetrocknet

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… laut Stadt, weil zu wenig Regen fällt.

Leserbriefe von Walter Braukmüller und Robert Zerwas

„Geld allein kann die Umwelt nicht retten“

Warum kann die Stadt nicht zugeben, dass die Interessen der Stadt(-Kasse) andere sind als der Umweltschutz beziehungsweise die Interessen der Bevölkerung? Da berichtet Herr Knaak, dass die „witterungsbedingten Veränderungen“ schuld daran seien. Es ist jedoch wissenschaftlich bewiesen, dass die Oberflächenversiegelung zu extremem Hochwasser beiträgt.

Laut Bebauungsplan müssen alle (!) Flachdächer im Industriegebiet oberhalb von Rübenach begrünt werden. Es ist jedoch keines (!) der Dächer begrünt, und die Stadt hat allen Betrieben Dispens von dieser Auflage erteilt. Es wird aber so getan, als ob Herr Baudezernent Flöck der Umweltretter ist.

Liebe Koblenzer Verwaltung: Geld allein kann die Umwelt nicht retten. Die Vorgaben müssen entsprechend sein. Ich schaue mit Bewunderung auf die Stadt Andernach, die verkauft zum Beispiel die für die städtische Entwicklung wichtigen Grundstücke nicht an den Meistbietenden, sondern an den mit dem städtebaulich besten Konzept! Nicht wie in Koblenz zum Beispiel der Hotelneubau auf und unter dem Garten Herlet. Einen Garten auf einer Tiefgarage mit einer Erdaufschüttung von 80 Zentimetern? Unmöglich, aber Hauptsache, es fließt Geld. Oder wie beim Restaurant Deinhard, da konnte man früher beim oder nach dem Theater einkehren. Ist nicht mehr, der Investor hat andere Pläne.

Und noch eins, liebe Koblenzer Verwaltung: Bei Corona hat die Ethikkommission die Reihenfolge der Impfung festgelegt, und die richtet sich nach der Ansteckungsgefahr und nicht nach der Wichtigkeit der Person. Und das ist gut so, denn da überschätzen sich viele (wie zum Beispiel der Bürgermeister von Hagen).

„Lediglich Annahmen“

So sicher wie das Amen in der Kirche war die stereotype Reaktion der Stadtverwaltung auf die Bedenken der Bürgerinitiative Rübenach: Nicht die Bebauung durch Hallen sei schuld an der Austrocknung des Anderbachs. Denn würde diese Bebauung in einem kausalen Zusammenhang stehen, hätte ja die Stadt Verantwortung zu tragen und Fehler einzugestehen. Stattdessen wird der fehlende Regen genannt.

Nun, niemand zweifelt daran, dass weniger Regen Auswirkungen auf Bäche hat. Allerdings: Soll der ausbleibende Niederschlag der alleinige Grund für das Verschwinden des Anderbachs sein, trotz riesiger Bebauung, Versiegelung und Entwässerungsmaßnahmen, die unmittelbar an ihn heranreichen? Ja, sagt die Stadt, denn der Anderbach beziehe sein Wasser aus einem 2600 Quadratkilometer großen Gebiet, da fielen die paar Hallen direkt oberhalb seiner Quelle nicht ins Gewicht.

2600 Quadratkilometer? Also ein Gebiet bis zur Hohen Acht in westlicher und bis Bonn in nördlicher Richtung! Sprechen wir von einem Bach in Rübenach oder vom Rhein? Zumindest räumt die Stadtverwaltung ein, dass sie lediglich Annahmen macht, denn wirklich verlässliche Erkenntnisse würde nur eine hydrogeologische Expertise liefern. Dass ein solches Gutachten weder im Vorfeld erstellt wurde noch jetzt gemacht wird, beweist einmal mehr, welchen Stellenwert der Erhalt natürlicher Ressourcen bei den Entscheidungsträgern hat.

Rhein Zeitung – 11.03.2021

1 KOMMENTAR

  1. Man hat manchmal den Eindruck, gewisse Entscheidungsträger sind in dem Irrglauben, alle sonstigen Bürger*innen seien geistig im Vorschulalter hängen geblieben und steckten dort in einer Art Zeitschleife fest. Wie sonst sind solche teils kindliche Äußerungen zu deuten? Aber womöglich ist es ja genau umgekehrt und wir müssen (ehrenamtlich) zur zur Auf- und Erklärung beitragen. Denn wir helfen doch gerne.
    Wenn einzig fehlender Regen, somit also der Klimawandel, die „Schuld“ am Austrocknen des Anderbachs trägt, warum muß dann gleichzeitig das Hochwasser des Schleiderbachs durch Rohre in die Mosel abgeleitet werden? Ist die „Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit“ nur für Rübenach und nicht für Güls zuständig? Oder hatte man dort wirklich gehofft, Rübenacher Bürger*innen sähen nicht über den eigenen Dorfrand hinaus? Oder sollten die zuständigen Entscheidungsträger am Ende doch einfach nur unfähig sein?

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