In Rübenach schließt wieder ein Geschäft

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Schreibwarenladen besteht seit 55 Jahren – Jetzt macht Manfred Gries den Betrieb dicht, und das ohne allzu großes Bedauern

Koblenz. Vor 21 Jahren hat Manfred Gries (61) den Schreibwarenladen in der Aachener Straße in Rübenach übernommen und führt seitdem das Geschäft. Doch damit ist jetzt Schluss: Nach 55 Jahren Betrieb macht der Laden zu.

Zwar hätte er das Geschäft gern weitergeführt. Da es sich aber nicht mehr rentiert, sieht er sich gezwungen, diesen Schritt zu gehen, sagt Gries im Gespräch mit der RZ. Die Kunden bleiben aus, denn Amazon und Co. machen Konkurrenz – und das direkt vor der eigenen Haustür.

Manfred Gries steht vor leeren Regalen, am 24. März macht er seinen Laden endgültig zu. 55 Jahre hat der Laden in der Aachener Straße in Rübenach die Anwohner mit Stiften, Lottoscheinen und Zeitungen versorgt. Bis zur Schließung werden die letzten Schreibwaren verkauft.

Der 61-Jährige sagt: „Früher habe ich um die 400 bis 450 Schultüten im Jahr verkauft, jetzt sind es gerade noch 40.“ Denn viele der Anwohner haben keine Ortsverbundenheit mehr und bestellen lieber im Internet, als am Ort zu kaufen. Auch seien die Preise zum Ankauf von Schreibwaren viel zu teuer, um sie nachher wieder zu einem gerechten Preis für Verbraucher und ihn selbst weiter zu verkaufen, sagt er. Die Schulbuchausleihe hat außerdem eine wichtige Profitquelle eingeschränkt. Viele Leute leihen sich die Bücher über die Schule, anstatt sie bei ihm zu kaufen.

Manfred Gries selbst bedauert den Schritt aber trotzdem kaum. Er hätte das Geschäft zwar gern noch zwei Jahre weitergeführt, doch er bezeichnet die Schließung als „neuen Lebensabschnitt“.

Doch es gibt etliche Rübenacher, die es bedauern, dass er den Laden aufgibt. Eine Anwohnerin findet es besonders schade, dass es nun nicht mehr möglich ist, dort die Schulbuchliste abzugeben und wenig später alles fix und fertig gepackt zu erhalten. Aussicht darauf, dass sie bald in einem anderen Laden im Ort ihre Bücher bekommt, gibt es nicht.

Denn dass neue Geschäfte in den rund 5000 Einwohner großen Stadtteil ziehen, ist nicht abzusehen. Ortsvorsteher Christian Franké bedauert, dass dieser alteingesessene Laden schließt. Es gebe aber auch Bestrebungen, im Ort neue Geschäfte zu etablieren, sagt er. Das sei aber häufig ein aussichtsloses Unterfangen, denn Bauflächen für größere Versorger gibt es nur am Rande Rübenachs, und dann könne man auch genauso gut nach Metternich oder Bubenheim fahren. Im Ortskern selbst ist einfach nicht ausreichend Platz.

Einen Versuch, dennoch einen Dorfladen zu etablieren, gab es vor rund zwei Jahren, so Franké. Dieser schloss aber nach gut einem Jahr Betrieb wieder, denn auch dort rechnete es sich nicht. Zu viel Arbeit für den Besitzer allein und zu wenig Einnahmen, um einen Mitarbeiter einzustellen, zieht der Ortsvorsteher Bilanz. Einen Lichtblick gibt es aber: Manfred Gries wird auch nach der Schließung seines eigenen Ladens am 23. März nicht von der Bildfläche verschwinden. Am 16. April eröffnet in seinem Laden eine Poststelle, in der auch er arbeiten wird. Marta Zimmer

Rhein Zeitung – 28.02.2019

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