Die Zeichen der Zeit nicht verstanden!

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Mit nachfolgendem Text hat die Stadtverwaltung den Vorschlag des Ortsbeirates Rübenach, die Erweiterung der Industriefläche an der A 61 auf 60 ha zu begrenzen, abgeschmettert (Zitat aus der Beschlussvorlage des Ausschusses für Stadtentwicklung und Mobiltät):

Die hiermit angesprochenen Flächen westlich der A 61 G-West-03 „Vor der Außenstelle WTD 41“ und G-West-04 „Hinter der WTD 41“ besitzen keine nennenswerten Umweltauswirkungen in Bezug auf den Stadtteil Rübenach. Die dort entstehende Kaltluft fließt nicht Richtung Ortslage Rübenach ab. Auch das anfallende Oberflächenwasser würde aufgrund der Topographie, sowie des Autobahndamms nicht Richtung Rübenach strömen.

Die gewerblichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt an der A 61 sollten nicht ohne Not weiter eingeschränkt werden. Das Oberzentrum Koblenz als landesweit bedeutender Gewerbestandort benötigt entsprechende Potentiale, die fast nur noch entlang der A 61 bestehen.

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Rübenach“ betrachtet diese Aussage als absolut unbefriedigend. Es geht nicht um Rübenach, es geht um Koblenz!

Unbestritten ist, dass wir in Koblenz meistens Westwind haben… Unbestritten ist, dass die Kaltluft, die früher auf den Ackerböden entstand, nach Osten geweht wurde und für Abkühlung in Koblenz sorgte… Unbestritten ist, dass Koblenz bereits 2018 der heißeste Ort in der BRD war… Unbestritten ist, dass Rheinland-Pfalz das zweitwärmste Bundesland im April diesen Jahres war… Trotzdem immer weiter so?

Falsch ist die Aussage, dass es Gewerbestandorte „fast“ nur noch an der A61 gäbe. Richtig ist, dass die Stadt zurzeit über ein ungenutztes Potential von 70 ha verfügt, wie sich aus einer von der Stadt in Auftrag gegebene Studie zum Gewerbeflächenbedarf der Stadt ergibt. Studie siehe hier. Die Zusammenfassung ist auf Seite 80.

Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass die verantwortlichen Sachbearbeiter der Stadt die Zeichen der Zeit nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen.

Rüdiger Neitzel BI „Lebenswertes Rübenach“ – 11.05.2020

 

2 KOMMENTARE

  1. Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass es in diversen Ausschüssen, im Besonderen im Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität gar nicht mehr um die Sache oder gar die Bürger*innen geht. Alles, was im Stadtrat, Ortsbeirat oder auch in der Bürgerinnitiative vorgeschlagen wird, wird ignoriert und abgeschmettert. Bürgernähe sieht anders aus. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass div. Sachbearbeiter*innen und Ausschuss-Mitglieder nur noch sich selbst beweihräuchern und zeigen wollen, wer hier das Sagen oder die dicksten E… hat. Der Schwachsinn, der hier teilweise rausgehauen wird, ist kaum noch zu überbieten.
    Plötzlich wird Rübenach verbal abgekoppelt. „Die Maßnahmen beträfen Rübenach ja nicht.“ Na klar, wir sprechen ja hier auch nicht von Koblenz, sondern von einem gaaanz anderen Ort.
    Gibt es keine rechtliche Möglichkeit, gegen solche Menschen vorzugehen? Abwählen kann man diese ja nicht, rauswerfen auch nicht.
    Hatten diese Menschen womöglich keinen Geschichtsunterricht?
    Sehen diese Menschen etwa keine Nachrichten?
    Unsere Welt, wie wir sie kannten, hört gerade auf zu existieren, bzw. verändert sich drastisch – ökonomisch UND ökologisch. Neben unseren Umweltproblemen erleben wir aktuell den Beginn einer weltweiten, nie da gewesenen Entlassungswelle.
    Nahezu ALLES verschiebt sich gerade – auch hier bei uns.
    Nur in diesen Ausschüssen scheint man das noch nicht mitbekommen zu haben, lehnt sinnvolle Erwägungen und Vorschläge ab und beschließt blind und fröhlich die Schaffung neuer unnützer Gewerbeflächen – und damit die systemische Vernichtung unseres Lebensraumes. Die Kinder, Enkel und Urenkel dieser Leute werden sicher einmal sehr stolz auf ihre Vorfahren sein, da bin ich mir sicher (Zynismus aus).
    Rudolf Kowalski

  2. Wer hat Mitspracherecht beim Entwickeln des FNP – Flächen Nutzungs Plans? Wer denkt an die Infrastruktur?

    Meine Nachbarn zur linken und rechten wollen Industrieflächen erwerben. Klar stadtnah, möglichst Metternich, vielleicht im GVZ – bekommen aber nur Absagen und sehen sich in der Entwicklung gehemmt. Nachfrage ist vorhanden, Angebot scheinbar nicht. Gleichzeitig sieht man neue Gewerbeflächen und -hallen östlich der A61 und im GVZ. Die kleinen Werkstätten und Hallen sind nicht mehr leistungsfähig genug bei heutiger Spezialisierung und Automatisierung. Es blutet das Herz, wenn man die als Garagen genutzen kleinen Hallen in den Dörfer sieht, als Zeugnis einer kleinteilig strukturierten Wirtschaft. In jeder dieser Hallen haben mehrere Familien ihr Auskommen gefunden. Die Rübenacher Straße hat den Wandel fast vollständig vollzogen: Von einem Industriegebiet, zur Industriebrache in den 80er Jarhen, zum Wohngebiet. Wer kennt noch Skelnik als Getränkeabfüller, das Eisenwerk Metternich, die Ziegelbrennereien, Raiffeisenlager, Rhein Gas, Bauhof Kohns und Baustoffhandel Kröll mit Schiffentladung und die Möbelfabrik. Entlang der Bahnstrecke, alle mit Bahnanschluss.

    Einige Flächen in Rübenach sind im Flächennutzungsplan als zukünftiges Wohngebiet gekennzeichnet. CDU und SPD haben auf den Ortsbeiratbeschluss hingewiesen, dass diese Flächen aus unterschiedlichsten Gründen nicht genutzt werden sollen.
    Sumpfland. Letztes Biotop in Rübenach. Brutstätte seltener Vögel. Die wenigen Flächen die dann noch bleiben sind nicht der Rede wert. Gleichzeitig möchten alle Parteien für junge Familien mit Kindern günstigen Baugrund anbieten. Schule und Kindergärten sind vorhanden, man brauch auch deshalb ein Generationswechsel im Ort.

    Metternich wird nachverdichtet. Hier und da entstehen in zweiter und dritter Reihe in den Hinterhöfen und Gärten ein weiteres Wohnhaus. Bebauungspläne (an der Rübenacher Straße) werden spontan auf Zuruf geändert und die Gebäude auf den letzten verfügbaren Parzellen dürfen zwei Stockwerke höher sein. Der Moselbogen an der Schleuse wird mit großen Appartmenthäusern bebaut, erschlossen über kleine Straßen. Eine Verkehrsplanung findet bei der veränderten, stärkeren Nutzung nicht statt. Die schriftliche Begründung auf den Einspruch einer Bebauungsplanänderung ist wenig einleuchtend: „Es besteht kein Zusammenhang.“

    Bei der Kakophonie fragt man sich, ob es überhaupt eine Stadtpalnung gibt. Führt die Verwaltung mit der Wirtschaftsförderung Koblenz ein Eigenleben? Ist die Nachfrage der Wirtschaft so stark, dass die Verwaltung nicht widersprechen kann? Haben Architekten das sagen?
    Kennen die Auschüsse den Bedarf und wollen den Leidensdruck an fehlendem Wohnraum und Gewerbeflächen mindern? Verschwörungtheoretiker haben ihre wahre Freude! Eine einfache Antwort wird man nicht finden. Es wird wohl eine Michung von Verantwortungsbewußtsein, Nachfrage und Gefälligkeit sein. Scharf trennen kann man das nicht.

    Von der B9 bis zur A61 und von der Mosel bis zur A48 erstrecken sich die letzten Parzellen die Koblenz vermarkten kann. Koblenz als Oberzentrum im nördlichen Rheinland-Pfalz muss Wirtschaftsmoter für die Region bleiben. Wenn man den Flächenbedarf der letzten 50 Jahre fortschreibt, auf die nächsten 50 Jahr, brauchen wir uns keine Gedanken machen „ob“ sondern nur „wie“ wird die Fläche genutzt, wie wird sie erschlossen, wie wird es lebenswert. Von den kleinen Flächen kann kein Bauer leben. Das von Herrn Neitzel und Herrn Kowlaski beschriebenen Gebiet wird bebaut. Eine wichtige Frage bleibt: Die Infrastruktur. Fahrradwege, Gehwege und ÖPNV müssen den veränderten Anforderung ausgebaut werden. In das Gebiet werden aus einem großen Umfeld Arbeinehmer einpendeln müssen. Die Rhein-Zeitung hat vor Tagen den jetzigen Pendleratlas der Arbeitsagentur veröffentlicht siehe: (https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistische-Analysen/Interaktive-Visualisierung/Pendleratlas/Pendleratlas-Nav.html ). Das Gebiet hat den Vorteil einer bis Bassenheim gewidmeten Bahnstrecke, die über Kreis- und Landesgrenzen ein Pendeln der Arbeitskräfte ermöglicht.

    Ein Flächennutzungsplan muss die veränderten Verkehrsströme planen. Eine höheren Wohnraumbedarf berücksichtigen. Man muss Erholungsflächen planen (San Diego hat zuerst den Park geplant (1868) und die Stadt ist um den Park gewachsen). Die Frage der Bebauung ist nicht „Ja“ oder „Nein“ sondern „Wie“.

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